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2008

PM 019/2008

»Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung«: Das Literaturmuseum der Moderne in Marbach zeigt ab 13. März Porträtskulpturen aus dem George-Kreis

Marbach, 25. Februar 2008 —

Dem Dichter Stefan George (1868-1933) hat die literarische Welt nicht nur einige schmale Gedichtbände zu verdanken, sondern auch ein Arsenal von weit über 200 Porträtskulpturen. Geschaffen, große Einzelne zu verewigen, unterdrücken sie nur mühsam das Gesetz der Serialität. Ein petrifizierter Dichterstaat auf fragwürdigem Kunstniveau – so sieht eine der sonderbarsten Erbschaften aus dem Kreis um Stefan George aus.

In seiner neuen Ausstellung »Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung« zeigt das Deutsche Literaturarchiv Marbach vom 13. März an bis zum 31. August 2008 rund 190 dieser Porträtskulpturen: Sie bilden das Herzstück der Wechselausstellung im Literaturmuseum der Moderne, die neben den Skulpturen auch Bücher, handschriftliche Zeugnisse und zahlreiche bislang unbekannte Fotografien aus dem George-Kreis zugänglich macht. In 13 Kapiteln schlägt die Ausstellung den historischen Bogen vom späten Kaiserreich bis weit über Georges Tod im Jahr 1933. Sie unternimmt damit erstmals den Versuch, das Phänomen der wundersamen Vermehrung der Köpfe im George-Kreis sichtbar und begreifbar zu machen. Was sahen die Schönen und Hochbegabten um jenen Mann, den sie »den Meister« nannten, in diesen feierlich-strengen Werken? Was verbanden sie mit einer Kunst zwischen Archaik und Surrealismus? Nirgends wirkt das Phänomen des Kreises erratischer als in dieser Hinterlassenschaft.

Die in Marbach gezeigten Monumente und Dokumente erhellen den Weg einer bedeutenden Gruppe von Künstlern und Intellektuellen vom ästhetischen ins politische Abseits und machen Zusammenhänge anschaulich, die allein in ihrem historischen Kontext begreifbar werden. Zugleich versucht die Ausstellung jenem Erstaunen einen Namen zu geben, das immer noch den befällt, der dieses rätselhafte Beinhaus der ästhetischen Moderne betritt.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 13. März, 19 Uhr, liest und analysiert der Literaturwissenschaftler und Lyriker Harald Hartung Gedichte von Stefan George. Der Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Ulrich Raulff, führt in die Ausstellung der Köpfe ein.