Pressemitteilungen
2008
PM 024/2008
Stefan George, das Jahresthema »Lassen« und eine Marbacher »Zeitkapsel«: Das Programm im Deutschen Literaturarchiv Marbach von April bis Juni 2008
Marbach, 17. März 2008 —
Der Marbacher Programmfrühling steht von März an im Zeichen des Dichters Stefan George: Rund 190 Porträtskulpturen zeigt das Literaturmuseum der Moderne vom 13. März an bis zum 31. August in seiner neuen Wechselausstellung »Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung«. Die Skulpturen illustrieren, ebenso wie Dokumente, Handschriften, Bücher und unbekannte Fotografien, jene spezifische Idee vom Bild des Künstlers, das den George-Kreis prägte.
Die Ausstellung wird von Konzerten, Lesungen und einer wissenschaftlichen Tagung begleitet, die sich mit »Frauen um George« beschäftigt (25. und 26. April). Sie versucht, das gängige Bild vom Kreis als eines homoerotischen Männerbundes zu differenzieren, indem sie jene Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen in den Mittelpunkt rückt, die für den George-Kreis von besonderer Bedeutung waren – unter ihnen Sabine Lepsius, Gertrud Simmel, Gertrud Kantorowicz, Margarete Susmann und Edith Landmann.
Ein Gesprächskonzert am 8. Mai, 19 Uhr, macht die Rolle Georges für die Wiederentdeckung von Hölderlins Lyrik zu Beginn des 20. Jahrhunderts hör- und sichtbar: Zum Abschluss der Frankfurter Hölderlin-Gesamtausgabe spricht der Vorstand der Ausgabe, D. E. Sattler, über Hölderlin und George. Der Komponist Hans Zender führt in den vierten Teil seines Hölderlin-Zyklus »Mnemosyne - Hölderlin lesen« ein. Anschließend bringt das Athena-Quartett das Werk zu Gehör. Am 29. Juni, 10 bis 18 Uhr, bietet das Literaturmuseum unter dem Titel »Im Club der toten Dichter?« eine Führung der besonderen Art an: An diesem Tag zeigen Leser aus zwei Generationen die Wechsel- und die Dauerausstellung im LiMo – der Eintritt ist frei.
Einen zweiten Schwerpunkt bildet im Marbacher Programm das Jahresthema 2008, »Lassen«. Es fragt nach, was ein Archiv aufbewahren kann und soll. Eine fluxus-Ausstellung und ein Workshop setzen sich mit dieser Frage auseinander: »Das Schweigen der Vitrinen«, so der Titel des Workshops am 6. Juni (14 bis 18 Uhr), versucht, die Interpretation eines Objekts zu lassen, einen Schritt zurückzutreten und die Deutungsmaschine abzuschalten. Auch die fluxus-Ausstellung über die Geschichte der drei Buchstaben S, E und X mit dem Schriftsteller Albert Ostermaier widmet sich am 6. Juni, 20 Uhr, diesem Thema.
Außerdem wird wieder eine Marbacher »Zeitkapsel« geöffnet: Am 31. Mai, 18 Uhr, stellen Michael Davidis, Leiter der Kunstsammlungen, und Jochen Meyer, früherer Leiter der Handschriftenabteilung, den von Emil Orlik bemalten Paravent aus der Berliner Gartenlaube des Schriftstellers und Lektors Oskar Loerke vor. In der Reihe »Dichterruhm und Unsterblichkeit«, die schon jetzt auf das Schillerjahr 2009 vorbereitet, spricht am 1. April der Schweizer Mediävist Valentin Groebner über »Die beunruhigende Reliquie« und beleuchtet das, was sich im Archiv neben Manuskripten und Briefen noch von Schiller findet: Haarlocken, Tabakdosen und Strümpfe.
Gleich drei Buchpremieren und Lesungen bringt der Marbacher Programmfrühling: Am 16. April, 20 Uhr, präsentiert der Fotograf Roger Melis zusammen mit seinem Verleger Mark Lehmstedt bedeutende Künstlerporträts. Am 29. April, 20 Uhr, stellt der Berliner Politikwissenschaftler Stephan Schlak sein Buch über den Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis vor. Am 28. Mai, 20 Uhr, liest die Autorin Jenny Erpenbeck aus ihrem neuen Roman »Die Heimsuchung«. Außerdem lädt das LiMo am 18. Mai zum Internationalen Museumstag ein und erzählt von 10 bis 18 Uhr die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Literatur und Fahrrad. Um 11, 14, 16 und 17. Uhr werden Führungen angeboten, für Fahrradfahrer ist der Eintritt frei.
Vom 27. Juni bis 29. Juni zieht außerdem der Fußball als Thema im Literaturarchiv ein: Eine Tagung und ein Turnier erinnern während der Europameisterschaft an die Beziehung zwischen Literatur und Fußball. Es spricht unter anderem der Freiburger Literaturwissenschaftler Klaus Theweleit über »Kopf- und Fuß-Bälle«.
Der Eintritt in die Veranstaltungen kostet, soweit nicht anders angegeben, 5,-/ 3,- Euro. Formulare für eine Mitgliedschaft bei der Deutschen Schillergesellschaft erhalten Sie unter Telefon 07144-848-0, Führungen können unter Telefon 07144-848-616 gebucht werden.

