Pressemitteilungen
2008
PM 034/2008
Der Dandy an der Front: Der fünfte Band des Tagebuchs von Harry Graf Kessler beschreibt die Erlebnisse im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1916
Marbach, 09. April 2008 —
Im Stuttgarter Verlag Cotta ist jetzt ein weiterer der insgesamt neun Bände des Tagebuchs von Harry Graf Kessler (1880-1937) erschienen: Der fünfte, rund 800 Seiten dicke Band dokumentiert die Jahre 1914 bis 1916 und zeichnet ein eindrucksvolles Bild der Zeit des Ersten Weltkriegs. Herausgegeben wurde Band V von Günter Riederer und Ulrich Ott unter Mitarbeit von Christoph Hilse und Janna Brechmacher.
Band V setzt mit der Beschreibung des sogenannten Augusterlebnisses in Berlin ein: Kessler hatte sich Ende Juli 1914 als Hauptmann der Reserve bei seinem Regiment gemeldet. In seinem Tagebuch schildert er ausführlich die überschwängliche Gefühlslage in der Hauptstadt des Deutschen Reiches zu Beginn des Krieges. Als Kommandeur einer Munitionskolonne marschierte Kessler zunächst in das neutrale Belgien ein. Nach Einsätzen in Ostpreußen und in Polen wurde er im Dezember 1914 als Ordonnanzoffizier in das von dem württembergischen Armeegeneral Friedrich von Gerok kommandierte 24. Reserve-Korps versetzt. Den Winter und das Frühjahr 1915 verbrachte er in den ungarischen Karpaten, im Herbst 1915 war er an der Schlacht um das heute in der Ukraine gelegene Czartorysk beteiligt, im April 1916 war er an der Westfront bei Verdun im Einsatz. Eindringlich beschreibt Kessler die Kämpfe an der berüchtigten Frontlinie in Nordfrankreich, die hohe Verluste an Mensch und Material forderten.
Die eigenwillige Mischung aus Kriegschronik, Lage- und Stimmungsbericht von der Front, Landschaftsskizze und Abenteuergeschichte macht Kesslers Kriegserlebnisse zu einer faszinierenden Lektüre. Immer wieder und fast beiläufig eingestreut finden sich im Text Schreckensbilder des Krieges – mit Leichen übersäte Schlachtfelder, zerstörte Dörfer, hungernde Flüchtlinge. In Kesslers Tagebuch spiegeln sich nahezu alle wichtigen militärischen Ereignisse der ersten Hälfte des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt stehen zudem Begegnungen mit Zeitgenossen wie Paul von Hindenburg, Erich Ludendorff oder auch Johannes R. Becher. Kesslers Weltkriegstagebuch ist eine faszinierende Quelle, welche die Forschung zum Ersten Weltkrieg beeinflussen und bereichern wird.
Harry Graf Kessler: Das Tagebuch. Hrsg. von Roland S. Kamzelak und Ulrich Ott. Bd. 5: 1914-16. Hrsg. von Günter Riederer u. Ulrich Ott unter Mitarbeit von Christoph Hilse u. Janna Brechmacher, Cotta, 2008. 823 Seiten, Leinen, ausklappbare vierfarbige Faltkarte, 63,- (Einzelpreis), 54,- (Subskriptionspreis).
Foto: Harry Graf Kessler um 1914, Atelier 'Apollo', Czenstochau (DLA Marbach). - (Bitte zum Vergrößern auf das Bild klicken)

