Pressemitteilungen

2008

PM 040/2008

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach erwirbt ein Manuskriptfragment zu Friedrich Schillers letztem vollendeten Drama »Wilhelm Tell« (1804)

Marbach, 24. April 2008 —

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat bei einer Auktion in Berlin ein bislang verschollen geglaubtes Fragment aus dem Manuskript von Schillers bekanntestem Drama »Wilhelm Tell« (1804) erworben. Dabei handelt es sich um ein Bruchstück (mit einer gestrichenen Zeile) aus der ersten Szene des zweiten Aufzugs, die eine Meinungsverschiedenheit zwischen Attinghausen und seinem Neffen Ulrich von Rudenz über die tyrannische Herrschaft des habsburgischen Kaisers wiedergibt, dem Rudenz dienen will. Schiller-Manuskripte sind von größter Seltenheit, zumal die seiner großen Dramen, so daß es sich hierbei um eine besonders kostbare Erwerbung handelt.

Außerdem hat das Archiv einen frühen Brief Schillers (6. August 1788) an die beiden Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld – die letztere wurde später seine Frau – ersteigert, die Fälschung eines Schiller-Gedichtautografs aus dem 19. Jahrhundert sowie einen Brief von Schillers ältestem Sohn Ernst an die Cotta’sche Buchhandlung vom 6. Juni 1836 über die Verlagsrechte am Werk seines Vaters. Hervorzuheben ist auch der Kauf einer Urkunde, durch die Schiller am 5. Januar 1790 zum Meininger Hofrat ernannt wurde – ein Titel, an dem ihm insbesondere wegen seiner bevorstehenden Heirat mit einer Adeligen viel lag.

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach, das neben Weimar über die größte Sammlung von Schiller-Autografen verfügt, konnte diese bedeutenden Ergänzungen seines Bestandes dank der großzügigen Unterstützung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg erwerben.

Foto: Das Fragment aus Schillers bekanntestem Drama »Wilhelm Tell«. Fotonachweis: DLA Marbach/ Chris Korner (bitte zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)