Pressemitteilungen
2008
PM 053/2008
Der letzte Zeuge: Die 14. Zeitkapsel im Deutschen Literaturarchiv Marbach stellt Emil Orliks Paravent aus Oskar Loerkes Berliner Gartenlaube vor
Marbach, 28. Mai 2008 —
»Time capsules«, »Zeitkapseln«, nannte der Künstler Andy Warhol seine Pappschachteln, in denen er Dinge für die Nachwelt sammelte und verschloss. Seit dem Jahr 2006 zeigt das Deutsche Literaturarchiv Marbach in seiner Veranstaltungsreihe der »Zeitkapseln« neue Funde und verborgene Schätze aus den Schriftsteller- und Gelehrtennachlässen in seinen Magazinen. Zum vierzehnten Mal öffnet sich am Samstag, 31. Mai, 18 Uhr, im Deutschen Literaturarchiv Marbach eine Zeitkapsel: Nach der jährlichen Mitgliederversammlung der Deutschen Schillergesellschaft stellen Dr. Michael Davidis, Leiter der Kunstsammlungen, und Dr. Jochen Meyer, der frühere Leiter der Marbacher Handschriftenabteilung, ein Paravent-Gemälde des Malers Emil Orlik (1870-1932) vor. Der Eintritt in die Veranstaltung ist frei.
Orlik wurde 1905 als Professor an die Lehranstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin berufen, wo er bis zu seinem Tod 1932 lehrte. Seine Freundschaft mit dem Dichter und Verlagslektor Oskar Loerke (1884-1941), die schon vor dem Ersten Weltkrieg einsetzte, dokumentiert sich in einer Reihe reizvoller Malbriefe und -karten Orliks an Loerke. Auf vielen davon sind Kamele dargestellt – eine Anspielung auf die gemeinsame Liebe zu den Ländern Nordafrikas. Eine nordafrikanische Küstenlandschaft zeigt auch der achtteilige, fast fünf Meter breite Paravent, den Orlik seinem Dichterfreund für die Gartenlaube von dessen Haus in Berlin-Frohnau schenkte. Vor dieser exotischen Kulisse hat Orlik sich selbst, den Malerkollegen Max Slevogt, Oskar Loerke und andere Personen aus dem gemeinsamen Freundeskreis in orientalischen Kostümen dargestellt. Das Gemälde, das seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt, wurde erst vor kurzem wiederentdeckt und dem Deutschen Literaturarchiv als Dauerleihgabe anvertraut, wo auch Loerkes Nachlass aufbewahrt wird.
Fotos: DLA Marbach (bitte zum Vergrößern auf die Bilder klicken)
