Pressemitteilungen
2008
PM 057/2008
Der Programmsommer im Deutschen Literaturarchiv Marbach bringt eine Ausstellung über den Schriftsteller W.G. Sebald und den Ersten internationalen Sommerkurs »Autopsie!«
Marbach, 23. Juni 2008 —
Kaum ein deutschsprachiger Autor hat sich in der jüngsten Literaturgeschichte so schnell seinen Platz erobert wie W. G. Sebald. Sebald, der 2001 im Alter von 57 Jahren bei einem Verkehrsunfall in Norfolk, Großbritannien, starb, gehört zu den vielgelesenen Autoren der Gegenwart und zu den meistdiskutierten Schriftstellern in der Germanistik. Doch worin liegt die Faszination seiner Werke? Und was verrät sein Nachlass, den das Deutsche Literaturarchiv Marbach aufbewahrt, über ihn? Diesen Fragen spürt vom 26. September 2008 bis zum 31. Januar 2009 die große Wechselausstellung »Wandernde Schatten. W. G. Sebalds Unterwelt« im Marbacher Literaturmuseum der Moderne (LiMo) nach. Zur Eröffnung am 26. September, 20 Uhr, spricht der Kunsthistoriker und Gründungsdirektor des Getty Research Center in Los Angeles Kurt W. Forster. Bereits am 22. September, 20 Uhr, zeigt das Literaturhaus Stuttgart Exponate aus Sebalds Marbacher Nachlass.
Zwei weitere Namen bestimmen maßgeblich den Marbacher Literatursommer. Noch bis zum 31. August 2008 zeigt das Deutsche Literaturarchiv im LiMo die Ausstellung »Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung« über den Dichter Stefan George. Kurz vor Georges 140. Geburtstag (12. Juli 2008) erinnert am 9. Juli ab 17 Uhr die Veranstaltung »Unerwartete Berührungen« an den Dichter: Mitarbeiter des Deutschen Literaturarchivs und des Stefan-George-Archivs in Stuttgart erläutern in kurzen Vorträgen Georges Beziehungen zur Plastik, Architektur, zur Traumdeutung, Literaturwissenschaft, Musikästhetik, Fotografie und zur Typografie der Moderne. Um 20 Uhr bringen die Musiker Eric Schneider (Klavier) und Theresa Kronthaler (Gesang) Arnold Schönbergs George-Zyklus »Buch der hängenden Gärten« zu Gehör. Das Gesprächskonzert ist eine Kooperation des Archivs mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akadmie in Stuttgart.
Ebenfalls bis zum 31. August 2008 zeigt das LiMo im kleinsten Wechselausstellungsraum das so genannte »Stefan-Manuskript« des Schriftstellers Walter Benjamin: Es gilt als Urfassung seiner autobiografischen Schrift »Berliner Kindheit um neunzehnhundert« und wurde dem Archiv von der Porsche Automobil Holding SE, Stuttgart, vor wenigen Monaten geschenkt. Zum Ende der Ausstellung liest am 1. September, 19 Uhr, der in Berlin beheimatete Schauspieler, Regisseur und Produzent Vadim Glowna aus Benjamins Autobiografie. Die Lesung findet mit freundlicher Unterstützung der Porsche Automobil Holding SE statt.
Gut drei Wochen später, am 26. September um 17.30 Uhr, stellen der Schauspieler Hanns Zischler und der Filmemacher Dietrich Leube das Thema »Karten aus erster Hand – wegweisende Zeichnungen aus aller Herren Länder« unter dem Titel »I wouldn’t start from here« im LiMo vor. Die Spuren dieser Schnitzeljagd werden anschließend im siebten »fluxus«-Raum des LiMo ausgestellt.
Auch das Marbacher wissenschaftliche Programm hat in den Sommermonaten einige interessante Veranstaltungen zu bieten. Am 4. und 5. Juli untersucht eine internationale Tagung zum Thema »Au-delà de la peinture: Surrealismus in der deutschsprachigen Literatur?« die Rolle des in Frankreich geborenen Surrealismus für die deutschsprachige Literatur. Im Rahmen dieser Tagung denkt der Stuttgarter Literaturwissenschaftler Joachim Kalka am 4. Juli um 20 Uhr in einem öffentlichen Vortrag über die »Kolportagepasteten des Ror Wolf« nach.
Vom 17. bis 19. Juli findet außerdem der Erste Internationale Sommerkurs für Studierende aus ganz Europa statt. Unter dem Titel »Autopsie!« nähert er sich den Quellen im Archiv und untersucht ihre Bedeutung für die Kulturwissenschaften. Nach der Sommerpause beschäftigt sich vom 26. bis 28. September eine Tagung mit der »Ideengeschichte und ihre Nachbardisziplinen«. Sie thematisiert die theoretischen Grundlagen und Methoden der Ideengeschichte und führt Wissenschaftler aus Großbritannien, den USA, Frankreich, Italien und Deutschland zusammen.
An Schiller erinnert das Deutsche Literaturarchiv im September mit einem Vortrag aus seiner Reihe »Dichterruhm und Unsterblichkeit«. Der Leiter der Kunstbibliothek in Berlin, Moritz Wullen, spricht am 15. September, 20 Uhr, über »Idea. Die Ausstellung zum Kult des Künstlers«. Zwei Tage später, am 17. September um 20 Uhr, erzählen Nikola Herweg und Jan Bürger, Mitarbeiter des Archivs, in der 15. Zeitkapsel von einem unveröffentlichten Manuskript des Schriftstellers Alfred Andersch (1914-1980), dessen Nachlass Marbach aufbewahrt.
Foto: Ausschnitt aus dem neuen Programmplakat des Deutschen Literaturarchivs Marbach (bitte zum Vergrößern auf das Bild klicken).

