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2008

PM 073/2008

Karl Krolow schreibt an Susanne Thommes: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat knapp 290 Briefe des bedeutenden Nachkriegslyrikers erhalten

Marbach, 19. August 2008 —

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat knapp 290 Briefe und Postkarten des Lyrikers, Prosaschriftstellers und Übersetzers Karl Krolow (1915 -1999) an Susanne Thommes erhalten. Der erste Brief des Dichters an die 29 Jahre jüngere Studentin entstand im Dezember 1966 nach einer Lesung. Es folgte eine sechs Jahre anhaltende intensive Korrespondenz; getroffen haben sich die beiden nur noch zweimal. Krolow forderte immer wieder seine Briefpartnerin zum Schreiben auf und lieferte als Gegengabe ironische Berichte aus seinem Schriftstelleralltag, von Lesereisen und Begegnungen mit Kollegen wie Georg Britting, Hans Erich Nossack oder Paul Celan, schrieb intime Gedanken und skurrile Details: »Ich schneide so gerne Gesichter, wenn niemand zusieht.« Die Gegenbriefe von Susanne Thommes, die später Journalistin und selber Schriftstellerin wurde, hat Krolow vernichtet.

Krolow zählt zu den bedeutendsten Lyrikern der deutschen Nachkriegsliteratur. Anfangs noch unter dem Einfluss der deutschen Naturlyrik und der französischen Surrealisten stehend, erweiterte er zunehmend die Formenvielfalt seines Werkes, das trotz aller scheinbaren Leichtigkeit und intellektuellen Virtuosität von Melancholie grundiert blieb. Mit seinen Werkbänden »Wind und Zeit« (1954) und »Tage und Nächte« (1956) begründete er seine Bedeutung als Autor. Im späten Alter schrieb er auch Prosa, so etwa die Erzählung »Das andere Leben« (1979) und den Band »Nacht-Leben oder Geschonte Kindheit« (1985).

Für sein umfangreiches und vielseitiges Werk erhielt Krolow zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg-Büchner-Preis (1956), den Rainer-Maria-Rilke-Preis (1975) und den Friedrich-Hölderlin-Preis (1988). Er war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz sowie der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Der Briefwechsel ergänzt Krolows seit 1988 in Marbach befindlichen Nachlass. Er wird der Forschung nun gemeinsam mit den Papieren des Autors zur Verfügung gestellt.


Bildhinweis: Karl Krolow im Jahr 1992 (Foto: Mathias Michaelis, DLA Marbach. Bitte zum Vergrößern auf das Bild klicken)