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2008

PM 074/2008

»Nachts im Museum«: Zum Ende der Ausstellungen über Stefan George und Walter Benjamin bietet das Marbacher LiMo am 30. August Abendführungen an

Marbach, 21. August 2008 —

Ob Stefan Georges steinerne Gäste zu sprechen anfangen, sobald das Zwielicht der Dämmerung hereinbricht? Ob die Feenträume und Gespensternächte aus Walter Benjamins Kindheit im Schatten der Nacht ein Eigenleben entfalten?

Noch bis einschließlich 31. August 2008 ist im Literaturmuseum der Moderne (LiMo) die Ausstellung »Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung« zu sehen. Der elitäre Kreis um Stefan George (1868-1933) hat mit über 200 Porträtskulpturen einen versteinerten Dichterstaat auf fragwürdigem Kunstniveau hinterlassen. Die 191 Häupter, die die Ausstellung zeigt, offenbaren weniger einen modernen Willen zur Form als einen archaischen Kultcharakter und erhellen den Weg einer Gruppe von Künstlern und Intellektuellen vom ästhetischen ins politische Abseits.

Am selben Tag endet die Ausstellung »Walter Benjamin: Berliner Kindheit um neunzehnhundert. Das Stefan-Manuskript«. Aus der Perspektive des Exils hält der Schriftsteller und Kulturtheoretiker Walter Benjamin (1892 -1940) in den 1930er-Jahren seine Kindheit skizzenhaft in Prosaminiaturen fest. Erstmals wird die bislang in Privatbesitz befindliche handschriftliche Reinfassung seiner Kindheitserinnerungen, das sogenannte »Stefan-Manuskript«, öffentlich gezeigt.

Am Vorabend reflektiert eine Finissage die Ausstellungen in einem anderen Licht: Bei einsetzender Dämmerung wird die Gunst der Stunden zwischen Tag und Nacht auf die Probe gestellt und der Schein der Taschenlampe ins museale Dunkel geworfen. Unter dem veränderten Fokus verschwimmen die Grenzen zwischen fiktivem und realem Schattenwurf, Haupt und Haar, Verehrung und Kult, einschneidendem Erlebnis und Schnitt am Papier.

Der Eintritt ins Museum ist an diesem Abend ab 18 Uhr frei; die Führungen um 19, 20.30 und 21.30 Uhr sind kostenlos.


Fotos: Blick in die Stefan George-Ausstellung;
Ausschnitt aus dem »Stefan-Manuskript« der »Berliner Kindheit um neunzehnhundert« (Bildnachweis: Chris Korner, DLA Marbach).