Pressemitteilungen
2008
PM 080/2008
Der Gründungsdirektor des Deutschen Literaturarchivs Marbach ist verstorben: Die Deutsche Schillergesellschaft trauert um Bernhard Zeller
Marbach, 09. September 2008 —
Professor Dr. Bernhard Zeller ist am Sonntag, den 7. September, wenige Tage vor seinem 89. Geburtstag, unerwartet verstorben. Bernhard Zeller war bis zuletzt eine wesentliche Stütze des Deutschen Literaturarchivs Marbach, das auf seine Initiative hin 1955 gegründet worden ist. Seine sympathische, gänzlich unprätentiöse Art, seine ungeheuren literarischen Kenntnisse und seine große Liebe zur Dichtung und zum gut gemachten Buch fügten sich zu einer herausragenden Persönlichkeit, die stets mit Marbach identifiziert werden wird.
Bernhard Zeller wurde am 19. September 1919 als Spross einer evangelischen Pfarrersfamilie in Dettenhausen bei Tübingen geboren. Er besuchte in Stuttgart das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium und studierte an der Universität Tübingen, an der er 1948 promoviert wurde, Geschichte, Germanistik und Latein. Nach dem höheren Schul- und Archivdienst wurde er 1953 Archivar am Schiller-Nationalmuseum in Marbach, dessen Leitung er bereits 1955 übernehmen konnte. Im Jahr darauf wurde er offiziell Direktor des neu gegründeten Deutschen Literaturarchivs. Diese Funktion versah er dreißig Jahre lang mit größter Einsatzbereitschaft unter Wahrung seiner wissenschaftlichen Produktivität. 1985 schied Zeller aus seinem Amt, blieb dem Haus jedoch als willkommener Gast, als Ehrenmitglied der Deutschen Schillergesellschaft, als Berater, Freund und kompetenter, stets aufrichtig interessierter Gesprächspartner aufs Engste verbunden. Zu den zahlreichen Ehrungen, die ihm zuteil wurden, gehören u.a. das Bundesverdienstkreuz, die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und die Eberhard Ludwigs-Medaille des Landkreises Ludwigsburg. Zeller war u.a. Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur/Mainz, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste/München, und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung/Darmstadt.
Unter der Ägide Zellers wandelte sich das Schiller-Nationalmuseum von einer Sammelstätte der schwäbischen Dichterschule zu einer international bekannten Forschungs- und Vermittlungseinrichtung für die gesamte deutschsprachige Literatur. Insbesondere galt der Rückführung der Nachlässe verfemter und emigrierter Autoren das besondere Augenmerk Zellers. Ihm gelangen durch vielfältige Kontakte bedeutende Erwerbungen: Manuskripte von Kafka, Zuckmayer, Joseph Roth und vielen anderen gelangten nach Marbach. »Im Laufe der Zeit kam der Begriff »Vorlaß« auf, der »Nachlaß zu Lebzeiten«, und gewann praktische Realität«, wie Zeller in seinen reichen Erinnerungen, den zweibändigen »Marbacher Memorabilia«, berichtet. Derlei Vorlässe haben stets gute Verbindungen zu Autoren und ihren Familien zur Voraussetzung – und Zeller war ein Meister des Faches Kontaktpflege. Die Einweihung des Archivbaus auf der Schillerhöhe, die im Mai 1973 stattfinden konnte, krönte die Bemühungen Zellers um ein deutsches Zentralarchiv für literarische Nachlässe.
Bernhard Zeller, der rührige und unvergessliche Gründungsdirektor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, hinterlässt seine Frau Margrit, mit der er sechzig Jahre verheiratet war, und vier Kinder mit ihren Familien.
Pressemitteilung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung
Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Er war dreißig Jahre lang der Direktor der Marbacher Institution: Bernhard Zeller. (Foto: DLA Marbach)

