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2008

PM 078/2008

Sansibar, sonderbar: Die 15. Zeitkapsel im Deutschen Literaturarchiv Marbach präsentiert das Werk des Schriftstellers Alfred Andersch – in Revision

Marbach, 03. September 2008 —

»Time capsules«, Zeitkapseln, nannte der Künstler Andy Warhol seine Pappschachteln, in denen er Dinge für die Nachwelt sammelte und verschloss. Seit dem Jahr 2006 zeigt das Deutsche Literaturarchiv Marbach in seiner Veranstaltungsreihe der »Zeitkapseln« neue Funde und verborgene Schätze aus den Schriftsteller- und Gelehrtennachlässen in seinen Magazinen. Zum 15. Mal wird am Mittwoch, 17. September, 20 Uhr, im Deutschen Literaturarchiv Marbach eine Zeitkapsel geöffnet.

Anlass der Zeitkapsel über Alfred Andersch ist die Wiederentdeckung des letzten Manuskripts von Anderschs posthum erschienenem Buch »Der Vater eines Mörders« (1980). Jan Bürger und Nikola Herweg, wissenschaftliche Mitarbeiter der Marbacher Handschriftenabteilung, geben Einblick in Anderschs Arbeitsweise und zeichnen nach, wie der Autor in der Nachkriegszeit zu einem richtungsweisenden Schriftsteller und Kulturvermittler seiner Generation wurde, der weit über Europa hinaus intellektuelle Freundschaften und Verbindungen unterhielt.

Alfred Andersch (1914-1980) galt spätestens seit Erscheinen seiner Bücher »Die Kirschen der Freiheit« (1952) und »Sansibar oder der letzte Grund« (1957) nicht nur als eine literarische, sondern auch als eine moralische Instanz. Das ist auch der Grund dafür, dass über seine Entlassung aus der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs jüngst wieder kontrovers diskutiert wurde. Die Dokumente zu diesem Sachverhalt sind in dem von Annette Korolnik-Andersch und Marcel Korolnik herausgegebenen Text- und Bildband »Sansibar ist überall. Alfred Andersch: Seine Welt in Texten, Bildern, Dokumenten« enthalten, der soeben in der »edition text + kritik« erschienen ist. Das Buch, das unter anderem Beiträge von Hans Magnus Enzensberger, Michael Augustin, Johannes Tuchel und Jan Philipp Reemtsma enthält, wird im Deutschen Literaturarchiv erstmals vorgestellt.

Bildhinweise: Alfred Andersch im Jahr 1956 in Stuttgart. - Ein Blatt aus dem letzten Manuskript seines Romans »Vater eines Mörders«. (Fotos: DLA Marbach)