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2008

PM 082/2008

fluxus 7 im LiMo: Der Schauspieler Hanns Zischler beschäftigt sich mit verzettelten Geschichten – »I wouldn’t start from here. Karten aus erster Hand«

Marbach, 18. September 2008 —

 

Ein Fremder in einer großen schottischen Stadt fragt einen Einheimischen nach dem Weg zum Bahnhof. Lange sinnierend gibt der Angesprochene schließlich die Auskunft: »I wouldn’t start from here«. Vermeintlich hilfsbereitere Zeitgenossen unterstützen ihre Ausführungen gern mit einer rasch gefertigten Skizze. Hanns Zischler, rastlos neugieriger Filmschauspieler und Schriftsteller, sammelt seit vielen Jahren solche Zeugnisse menschlicher Orientierungssehnsucht.

Im siebten »fluxus«-Raum der Dauerausstellung des Marbacher Literaturmuseums der Moderne, die von Freitag, 26. September, bis einschließlich 10. Dezember 2008 zu sehen ist, präsentiert Zischler 36 solcher Skizzen – tragisch-komische Beispiele hoffnungsvoller Verwirrung in Gestalt von Karten-Zetteln. In die Hände gefallen sind ihm Dokumente aus aller Welt, die meist mehr über die (sich) verortenden Personen und Kulturen verraten als über den wirklichen Weg zum Ziel. Am Freitag, 26. September, stellen Zischler und der Filmemacher Dietrich Leube um 17.30 Uhr die Funde im Humboldt-Saal des Deutschen Literaturarchivs vor.

Rund 70 solcher Wegweise hat Zischler insgesamt gesammelt; die meisten stammen aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Aufgehoben hat sie der Schriftsteller, weil sie »sehr anschauliche, ja ‚sprechende’ Dokumente einer augenblicklichen Not, einer tatsächlichen oder drohenden Ausweglosigkeit sind – und ein Fingerzeig, wie man einer misslichen Lage entrinnen könnte«. In jüngster Zeit werde deutlich, dass diese Zettelwirtschaft unwiederbringlich obsolet geworden ist: »‚Ich bin all hier’, sagt das Navigationssystem zum Benutzer – und damit ist der Zettel, ja das Aufschreiben selbst zur Makulatur geworden.«

Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und ist vom 30. September 2008 an im Literaturmuseum der Moderne zu sehen. Im begleitenden Marbacher Magazin 122 berichtet Hanns Zischler von seinen Begegnungen mit Hilfesuchenden und Peter Geimer von Gestrandeten, Irrgängern und Helden der Desorientierung in der Literatur und von einem Selbstversuch, der zur Erkenntnis führt.

Beispiele aus der Ausstellung

Der Eintritt in die Veranstaltungen und in die Ausstellungen ist an diesem Tag frei.

Bildunterschriften: Berlin mit »Schutzwall« (Berlin, vor der Wende: Vom Westen in den Osten, vom Osten aus gedacht). - Jever Rechnungsblock (Alle Fotos: DLA Marbach - bitte zum Vergrößern auf das Bild klicken).