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2008

PM 085/2008

Programmherbst in Marbach: Eine Ausstellung widmet sich der literarischen Rezeption der Atomkraft – Historiker Christian Meier hält die Schillerrede 2008

Marbach, 20. September 2008 —

»Wir befinden uns in der äußersten Angst – wovor eigentlich?« fragte der Philosoph Rudolf Pannwitz im Jahr 1951. Als er diesen Satz niederschreibt, kreist sein Denken um eine Frage, die, ausgelöst durch die Katastrophen des Zweiten Weltkriegs, zahlreiche Schriftsteller und Philosophen beschäftigt, der Einsatz und die Wirkung der Atomkraft. »Strahlungen. Atom und Literatur« heißt die neue Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne (LiMo), die sich vom 20. November 2008 bis zum 1. Februar 2009 dem Niederschlag der Atomkraft in der Literatur widmet. Sie zeigt Manuskripte und Briefe zahlreiche Autoren und Philosophen zum Thema, unter ihnen Zeugnisse von Hannah Arendt und Carl Zuckmayer, Gottfried Benn, Paul Celan, Nelly Sachs, Mascha Kaléko, Hans Blumenberg, Martin Heidegger und Karl Jaspers.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 20. November um 19 Uhr spricht Jan Philipp Reemtsma, Stifter und Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) sowie der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Rund sechs Wochen später, am 11. Dezember 2008, erörtert der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Frank Schirrmacher im Gespräch mit dem Historiker Valentin Groebner »Kafkas Angst und German Angst. Pathosformeln der Apokalypse«. Der Abend erhellt das Phänomen der Angst am Beispiel von Kafkas Ausdrucksformen.

Auch zum zweiten Schwerpunkt des Marbacher Programmherbstes, dem Jahresthema »Lassen«, bietet das LiMo viele Programmpunkte an. Neben Themenführungen durch die Ausstellungen widmet sich ein Workshop für Schüler der Frage, welche Wirkung Archivalien auf Betrachter haben, wenn man sie jeder vorgegebenen Deutung entbindet. Der Workshop »Interpretation lassen II. Das Verschwinden des Lehrers« lädt am 17. Oktober, 14 bis 18 Uhr, alle Interessierten zur Diskussion ins LiMo ein. Der Eintritt ist an diesem Tag ab 13 Uhr frei.

Gleich vier Buchpräsentationen bestimmen außerdem den Marbacher Programmherbst: Am 8. Oktober ist die Literaturwissenschaftlerin Barbara Wiedemann zu Gast, um den von ihr herausgegebenen Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan vorzustellen. Am 29. Oktober spricht der Schriftsteller Dieter Kühn über die Lyrikerin Gertrud Kolmar und seine neue Biografie. Die Autoren Kathrin Röggla und Ulrich Peltzer kommen am 21. November nach Marbach, um aus ihren jüngsten (preisgekrönten) Büchern zu lesen. Am 10. Dezember erläutert Günter Figal, Professor für Philosophie an der Universität Freiburg, im Gespräch mit Ulrich Raulff die von ihm edierte Korrespondenz zwischen Ernst Jünger und Martin Heidegger.

In Schillers Geburtsmonat, dem November, stehen viele Veranstaltungen des Deutschen Literaturarchiv Marbachs wieder im Zeichen des Dichters: Der diesjährige Tag der offenen Tür, zu dem alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Literaturarchivs Marbach herzlich einladen, folgt dem Motto »Schillers Schatten« (9. November, 12 bis 19 Uhr). Der Tag eröffnet die Marbacher Schillerwoche, an deren Ende der bekannte Althistoriker, Cäsar-Biograf und ehemalige Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Professor Christian Meier, die Schillerrede 2008 hält (15. November, 19 Uhr). Er spricht über einen Vers aus Goethes »Egmont«, den Schiller 1794 für das Theater überarbeitet hat: »Freiheit? Ein schönes Wort, wer’s recht verstände«. Zuvor werden die fünf Gewinner des Wettbewerbes »Ich und Schiller« vorgestellt, deren Beiträge im neuen Band der Marbacher Bibliothek nachzulesen sein werden. Und zum guten Schluss: Im letzten Werkstattgespräch 2008 der Reihe »Dichterruhm und Unsterblichkeit«, die auf das Schillerjahr 2009 und seine Ausstellungen in Marbach vorausweist, stellt der Literaturwissenschaftler Steffen Martus am 26. November Schillers poetische Werkpolitik vor.