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2008

PM 092/2008

»Strahlungen. Atom und Literatur«: Das Literaturmuseum der Moderne zeigt vom 20. November an Zeugnisse der literarischen Rezeption der Atombombe

Marbach, 20. Oktober 2008 —

Ist das Licht des Atomblitzes, der am 16. Juli 1945 die Wüste in New Mexico erleuchtete, auch in die Geschichte der Literatur gefallen? Ist mit den Bomben, die im August 1945 zwei japanische Städte auslöschten, eine Epoche des Denkens und Schreibens zu Ende gegangen? Wie nachhaltig hat der Sturz der Menschen ins Nuklearzeitalter ihre Sprache und Literatur verändert? Diese Fragen leiten die Ausstellung »Strahlungen. Atom und Literatur«, die vom 20. November 2008 bis einschließlich 1. Februar 2009  im Marbacher Literaturmuseum der Moderne zu sehen ist. Sie macht jene Spuren sichtbar, welche die Ideen von ›Radioaktivität‹ und ›Atom‹ im Archiv der Schriftsteller hinterlassen haben. Zur Eröffnung am 20. November um 19 Uhr spricht der Hamburger Literaturwissenschaftler und Essayist Jan Philipp Reemtsma.

Die Verhältnisse zwischen naturwissenschaftlicher Erfindung und Literatur gehorchen keiner Chronologie und auch nicht der Logik der Systeme. Sie sind zeitlich verschoben, scheinen historisch paradox: So ist der »Tag X« – das durch Menschenwerk herbeigeführte Ende der Welt – in der Science Fiction, aber auch bei Gottfried Benn und Ivan Goll schon vor der Atombombe da. Auf das »Debüt des atomaren Zeitalters in Japan« (Brecht) hingegen reagieren Schriftsteller wie Nelly Sachs und Arno Schmidt, Hans Henny Jahnn, Marie Luise Kaschnitz, Günter Eich und Heinar Kipphardt, Ernst Jünger und Friedrich Dürrenmatt, Philosophen wie Martin Heidegger, Karl Jaspers, Hans Blumenberg und Karl Löwith mit einer zeitlichen Verzögerung, die, abhängig von ihren jeweiligen Diskurssystemen – der Literatur, der Philosophie und Briefkultur –, unterschiedliche Gründe hat.

Den Bahnen dieses Niederschlags der Atomkraft in der Literatur folgt die Marbacher Ausstellung anhand von Manuskripten, Gedichten und Erzählungen, Theaterstücken und Essays, Büchern, Briefen und Schriftensammlungen der verschiedenen Widerstandsbewegungen. Viele der Exponate aus dem Marbacher Archiv sind zum ersten Mal ausgestellt.

Begleitet wird die Ausstellung vom Marbacher Magazin 123/124.