Pressemitteilungen

2009

PM 001/2009

»Keine schlechte Klausur«: Das Marbacher Spuren-Heft 82 zeigt unbekannte Zusammenhänge zwischen Wolfgang Koeppens »Treibhaus« und dem Stuttgarter Bunkerhotel

Marbach, 08. Januar 2009 —

Wolfgang Koeppen hat seinen Roman ›Das Treibhaus‹, einen der wichtigsten literarischen Texte der frühen Bundesrepublik, unter dem Stuttgarter Marktplatz geschrieben: in einem ehemaligen, 1941 gebauten Bunker, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Hotel betrieben wurde. Der unterirdische Schreibplatz ist bezeichnend für einen Autor, der für sich stets die Position des beobachtenden Außenseiters reklamierte, der sich durch seine Ortswahl aber immer auch zu disziplinieren versuchte: In der Tat legten sich Koeppens Schreibschwierigkeiten im winzigen fensterlosen Einzelzimmer unter der Erde.

Im neuen Heft der Marbacher Reihe ›Spuren‹ rekonstruiert der Stuttgarter Literaturwissenschaftler Oliver Kobold den Aufenthalt Koeppens im unterirdischen ›Hotel am Marktplatz‹ während des Frühsommers 1953. Dieser Ort hat sich auch in den Roman eingeschrieben. Dabei gehen die Korrespondenzen zwischen Ort und Text in diesem »ersten Vorstoß eines deutschen Schriftstellers in den Raum gegenwärtiger deutscher Politik« (Alfred Andersch) weit über Motive und Stimmungsbilder hinaus: Während auf der Oberfläche das Zivilleben der Wirtschaftswunder-Republik schon beinahe wieder reibungslos funktioniert, schlägt der Schriftsteller unter der Erde, an einem Ort der an Krieg und Zerstörung gemahnt, Wörter gegen das Vergessen und gegen die Wiederaufrüstung aufs Papier. Das Heft ist reich illustriert und enthält zum Teil erstmals publizierte Dokumente.

Spuren 82:
Oliver Kobold: Wolfgang Koeppen im Bunkerhotel. Deutsche Schillergesellschaft, Marbach a.N., 2008. 16 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Geheftet. 4,50 Euro. Eine Veröffentlichung der Arbeitsstelle für literarischen Museen, Archive und Gedenk-stätten in Baden-Württemberg (ISBN 978-3-937384-40-5).