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2009

PM 002/2009

Literatur zwischen Erinnerung, Politik und Selbstsuche: Im Deutschen Literaturarchiv Marbach würdigt eine Tagung den Schriftsteller Jean Améry

Marbach, 15. Januar 2009 —

Im Jahr 2009 erscheint der letzte Band der neuen Jean Améry-Werkausgabe im Stuttgarter Verlag Klett-Cotta. Aus diesem Anlass findet von Donnerstag bis  Samstag, 22. bis 24. Januar 2009, im Deutschen Literaturarchiv Marbach eine internationale Konferenz über den großen Schriftsteller, Essayisten und Publizisten statt. Im Rahmen der Tagung liest am Freitag, 23. Januar, 20 Uhr,  der österreichische Schriftsteller Robert Schindel im Humboldt-Saal des Archivs aus seinem Werk.

Die Tagung leistet eine Bestandsaufnahme der bisherigen Forschung, will methodisch neues Terrain erschließen und philologisch den Blick auf Amérys Nachlass lenken, der sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach befindet. Im Zentrum steht Amérys intellektuelle Entwicklung in Zeiten historischer und politischer Umbrüche: Beleuchtet werden seine politischen Aussagen und ihre ästhetische Brechung in der Literatur. Der erste Konferenztag beschäftigt sich mit Amérys Ethik, der zweite Tag mit der Rezeptionsgeschichte seines Werks.

Améry zählt zu den bedeutendsten europäischen Intellektuellen der sechziger und siebziger Jahre. Seine bahnbrechenden Essays sind in ihrer Bedeutung den Schriften Hannah Arendts und Theodor W. Adornos zu vergleichen. Als Reflexion über die Existenz im Vernichtungslager stehen sie vermutlich Primo Levis Büchern am nächsten. Zugleich jedoch hat Améry wie kaum ein anderer Intellektueller die deutsche Öffentlichkeit mit französischen Denkern und Schriftstellern bekannt gemacht und konfrontiert. Seit 1982 vergibt der Stuttgarter Verlag Klett-Cotta in regelmäßigen Abständen den Jean Améry-Preis für Essayistik, eine mit 12.000 Euro dotierte Auszeichnung für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des zeitkritischen, aufklärerischen Essays.

Die Tagung wird von der Fritz Thyssen Stiftung, die abendliche Lesung vom Österreichischen Kulturforum in Berlin und der University of Canterbury gefördert.