Pressemitteilungen
2009
PM 018/2009
Neue Spuren einer Verschollenen: Der Marbacher Nachlass der Dichterin Gertrud Kolmar konnte ergänzt werden
Marbach, 17. März 2009 —
Die 1894 geborene Gertrud Kolmar wird heute fraglos zu den größten Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts gezählt. Zu Lebzeiten hingegen hat die Berliner Schriftstellerin außer wenigen Gedichten, deren Druck von ihrem Cousin Walter Benjamin vermittelt worden war, kaum etwas veröffentlicht. Kolmars Ruhm in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz ihrer nächsten Verwandten zu verdanken, die ihre Manuskripte über die Zeit des Nationalsozialismus hinweg gerettet und später in das Deutsche Literaturarchiv Marbach gebracht haben. Die Lyrikerin selbst wurde am 2. März 1943 mit dem 32. Osttransport nach Auschwitz deportiert und gilt seitdem als verschollen.
Jetzt konnte der Marbacher Kolmar-Nachlass um bedeutende Dokumente ergänzt werden. Eine kürzlich aus Privatbesitz übernommene Sammlung enthält nicht nur 17 Briefe aus den Jahren 1920-1942, die Kolmar gemeinsam mit ihrem Vater Ludwig Chodziesner verfasst hat, sondern auch umfangreiche Korrespondenzen aus dem Familienumfeld über das Leben der Dichterin. Darüber hinaus finden sich in der Sammlung Briefe von namhaften Schriftstellern, Gelehrten und Verlegern wie Leo Baeck, Gottfried Bermann Fischer, Hermann Kasack, Horst Lange, Jacob Picard, Oda Schaefer, Ina Seidel und Peter Suhrkamp über das Leben und Werk von Gertrud Kolmar.
