Pressemitteilungen

2009

PM 040/2009

Hilde Domin oder Die Liebe im Exil: Briefe und Gedichte zum 100. Geburtstag der Lyrikerin

Marbach, 13. Juli 2009 —

Zu Hilde Domins Nachlass, der nach ihrem Tod 2006 ins Deutsche Literaturarchiv Marbach kam, gehören weit über tausend Briefe, die sie mit ihrem Mann Erwin Walter Palm gewechselt hat. Sie umfassen 28 Jahre: Von den Anfängen ihrer Beziehung in Heidelberg über die Zeit in Italien und Santo Domingo bis zur endgültigen Rückkehr nach Deutschland. Inhaltlich spannen sie den Bogen von jugendlicher Unbekümmertheit über die Ängste der jüdischen Emigranten bis hin zu den privaten Krisen, die Domin letztlich zum lyrischen Schreiben führen. Im S. Fischer Verlag ist nun, aus Anlass von Domins 100. Geburtstag am 27. Juli, eine von Jan Bürger und Frank Druffner besorgte Auswahl dieser Briefe erschienen, die bereits auf sehr positive Resonanz stieß:

»Die Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931–1959, die der Band Die Liebe im Exil versammelt, sind für Freunde Domins eine Offenbarung und ein Lesegenuss. Die junge Studentin zeigt sich in ihnen als überaus wissbegierige, aufgeschlossene und intellektuell wache Zeitgenossin. Die politischen Hintergründe spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle, leuchten aber aus Andeutungen und aus mancher wegen Zensurbefürchtungen verschlüsselten Passage immer wieder auf. Im Vordergrund steht die wahrlich nicht einfache Beziehung des jungen Paars, das über manche Charakterverschiedenheit immer wieder zueinander finden muss.« (Dierk Wolters am 25. Juni in der Neuen Frankfurter Presse)

Gleichzeitig mit den Ehebriefen erschien ebenfalls bei S. Fischer der von Nikola Herweg und Melanie Reinhold herausgegebene Band Sämtliche Gedichte. Im Nachwort schreibt Ruth Klüger: »Ihr Optimismus und ihr Vertrauen (wohl abgeleitet von jenem Urvertrauen der Kindheit im Kölner Elternhaus) verblüffen und setzen sie ab von den anderen verfolgten jüdischen Dichtern, wie Paul Celan, Nelly Sachs, Rose Ausländer. Aber sie war eben auch die Dichterin der Rückkehr, eine Autorin, die eigentlich erst nach dem Wiederfinden der Heimat und nachdem sie diese Heimat als Wohnort akzeptiert hatte, ihre Stimme fand.«

Briefe und Gedichte, oftmals aufs engste miteinander zusammenhängend und sich gegenseitig erhellend, werden am Mittwoch, den 8. Juli um 20 Uhr im Humboldtsaal des Deutschen Literaturarchivs vorgestellt. Marietta Meguid und Katharina Ortmayr, Schauspielerinnen am Staatstheater Stuttgart, leihen Domin ihre Stimmen, die Herausgeber kommentieren die Auswahl, erläutern Briefinhalte und sprechen über die Gedichte und Domins langen Weg zur Lyrik.

Die Teilnahme kostet 5,- Euro, ermäßigt 3,- Euro.