Pressemitteilungen
2009
PM 050/2009
Neu in Marbach: Der Nachlass von Schalom Ben-Chorin
Marbach, 24. August 2009 —
Das Deutsche Literaturarchiv Marbach gehört zu den wichtigsten Sammelstätten für die Literatur des Exils. Seit seiner Gründung im Jahr 1955 (zunächst noch in dem 1903 eröffneten Schiller-Nationalmuseum) gelangen Nachlässe emigrierter und von den Nationalsozialisten verfolgter und ermordeter Autoren in seine Sammlungen. Zuletzt kam als Vermächtnis der Gesamtnachlass von Hilde Domin ins Archiv. Neben ihr und vielen anderen finden sich Yvan und Claire Goll, Jakob von Hoddis und Ricarda Huch ebenso in den Beständen wie Mascha Kaléko, Else Lasker-Schüler, Heinrich Mann oder Carl Zuckmayer. Damit besitzt Marbach die weltweit bedeutendste Quellensammlung für die Exilforschung.
Nun ist es gelungen, den Nachlass des Schriftstellers, Journalisten und Religionswissenschaftlers Schalom Ben-Chorin zu übernehmen. Als Fritz Rosenthal 1913 in München geboren, begann er seine Laufbahn als Verfasser von Gedichten, Prosa und Kritiken. Im israelischen Exil, wo er den Namen Schalom Ben-Chorin, d.h. Friede, Sohn der Freiheit, annahm, wirkte er von 1935 bis 1970 als Journalist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er als einer der führenden Förderer des christlich-jüdischen Dialogs berühmt, insbesondere als Mitbegründer der seit 1961 tätigen Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. 1975 gehörte er dem fünfzehnköpfigen Gründungskomitee des Verbandes deutschsprachiger Schriftsteller Israels an. Seit den 1960er Jahren war der 1999 hoch geehrt verstorbene Ben-Chorin gelegentlich im Deutschen Literaturarchiv zu Gast. Das ist einer der Gründe für seinen Wunsch gewesen, seinen Nachlass einst in Marbach aufbewahrt zu wissen.
Neben den Manuskripten zu den wichtigsten Veröffentlichungen von Ben-Chorin enthält der Nachlass aufschlussreiche Dokumente aus den Jahren des Exils und der Gründungsphase des Staates Israel. Zu Ben-Chorins Briefpartnern gehörten namhafte Schriftsteller und Gelehrte wie Max Brod, Martin Buber, Hermann Kesten, Werner Kraft, Else Lasker-Schüler, Thomas Mann, Joseph Roth, Nelly Sachs, Gershom Scholem, Margarete Susman, Arnold Zweig u.v.a.
