Pressemitteilungen

2009

PM 056/2009

Fausts Freundin. Ulrich Raulff und Marcel Lepper zeigen erstmals den Nachlass von Dorothea Hölscher-Lohmeyer (Zeitkapsel 18)

Marbach, 22. September 2009 —

Die Philologin Dorothea Hölscher-Lohmeyer, Studentin von Max Kommerell und Ehefrau von Uvo Hölscher, hat die großen wie die dunklen Zeiten der deutschen Geisteswissenschaften miterlebt, die letzten Jahre der Literaturwissenschaft vor dem Krieg ebenso wie deren Neuanfang nach 45, ihre Aufstände und Burlesken 1968 und die Moden ihrer ewigen Wiedergänger: Goethe und Schiller, Hölderlin und Kleist. In ihrem umfangreichen Nachlass finden sich u. a. die Korrespondenzen mit Dieter Borchmeyer, Rüdiger Bubner, Hilde Domin, Hans-Georg Gadamer, Dieter Henrich, Erika Kommerell, Walter Müller-Seidel und Wilhelm Weischedel, außerdem Briefe, Gedichthandschriften und Dramentyposkripte aus dem George-Kreis sowie Zettel-Kästen und handschriftliche Vorarbeiten zu ihren bedeutenden Goethe-Studien.



Geboren am 6.11.1913 in Berlin, studierte Hölscher-Lohmeyer in Berlin und Frankfurt. Sie gehörte zu den wenigen Doktorandinnen Max Kommerells, bei ihm schrieb sie ihre Promotion im Jahr 1937, diese erschien dann 1940 mit dem Titel „Faust und die Welt. Zur Deutung des zweiten Teiles der Dichtung“ (Potsdam). Für die Münchner Goetheausgabe verfasste sie den Kommentar zu den Gedichten im Band 9 (Epoche der Wahlverwandtschaften, München 1987) und den Kommentar zu Faust II im Band 18,1 (Letzte Jahre, München 1997). Von 1998 bis zu ihrem Tod war sie die Herausgeberin der Gesamtausgabe der Briefe Max Kommerells im Auftrag der Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt. Mit der Goethe-Medaille der Goethe-Gesellschaft wurde die Philologin in Weimar im Jahr 1991 geehrt. Anläßlich ihres Todes würdigte Lorenz Jäger sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Kann man sich ein Paar denken, in dem sich Höhe und Kontinuität der deutschen Philologie großartiger gespiegelt hätte? Dorothea Hölscher-Lohmeyer war eine Schülerin Max Kommerells, ihr Mann, der Altphilologe Uvo Hölscher, kam aus dem Kreis um Karl Reinhardt. (...) Und dann die Gegenstände ihrer Forschungen: Beide hielten sie fest, was sie früh ergriffen hatten. Es war das schlechthin Maßsetzende.“



Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 24. September 2009, um 20 Uhr im Berthold-Leibinger-Auditorium des Literaturmuseums der Moderne in Marbach statt. Der Eintritt kostet 5.–/ ermäßigt 3.– Euro.