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2010

PM 004/2010

Randzeichen. Drei Annäherungen an den schöpferischen Prozess

Ausstellungseröffnung am 28. Januar 2010

Marbach, 25. Januar 2010 —

Am Donnerstag, dem 28. Januar 2010, um 19 Uhr wird die Ausstellung ›Randzeichen. Drei Annäherungen an den schöpferischen Prozess‹ im Literaturmuseum der Moderne eröffnet. Es sprechen dessen Leiterin Dr. Heike Gfrereis, die ehemalige Leiterin des städtischen Museums Ludwigsburg, Dr. Andrea Fix, der Schriftsteller Heinrich Steinfest liest aus seinem Text zum Marbacher Magazin 129. Anschließend stellt Büchner-Preisträger Martin Mosebach bisher unveröffentlichte »Illustrationen« vor. Angelika Luz führt gezeichnete Musik auf: Stripsody von Cathy Berberian und Aria von John Cage. Die Ausstellung besteht aus drei Teilen: einem Werkstattraum von Martin Mosebach, einem Bilderalbum von Justinus Kerner und Randzeichnungen von Rainer Maria Rilke bis Erich Kästner. Das Büro space4 (Stuttgart) und die Grafikkooperation Diethard Keppler und Stefan Schmid (Marbach/Stuttgart) haben die Ausstellung gestaltet, die von Heike Gfrereis und Ellen Strittmatter kuratiert wurde.


Die neue Ausstellung nähert sich aus drei Richtungen den Zeichnungen an, die Dichter manchmal selbstvergessen, manchmal absichtsvoll an die Ränder ihrer Texte malen, und folgt so den Formen und Stufen des poetischen Kritzelns. Über 60 noch nie ausgestellte Randzeichnungen sind zu sehen, unter anderem von Paul Celan und Jakob van Hoddis, Hugo von Hofmannsthal und Peter Huchel, Erich Kästner und Mechthilde Lichnowsky, Eduard Mörike und Rainer Maria Rilke.

 

In einer zweiten Abteilung gewährt Martin Mosebach Einblicke in die zeichnerische Seite seines schriftstellerischen Schaffens. Seine Randzeichnungen beschreibt der Autor : »Es ist ein Akt der Entäußerung. Durch das Zeichnen so kleiner Dinge wird der Blick auf die eigenen Beweggründe, Sorgen, Wünsche, Eitelkeiten, die sich immer in ein Manuskript hineinstehlen wollen, abgelenkt. Er wird auf etwas scheinbar Objektives gerichtet, auf das, was da entsteht. Ich bin der schwarzen Kunst verfallen, dieser mich im schönsten Sinn schockierenden Verletzung der weißen Fläche, die durch eine Line entsteht.« Den dreigeteilten Bilderbogen runden bisher noch nicht ausgestellte Albumblätter von Justinus Kerner ab. Justinus Kerner hat in einem großen Album Fundstücke aller Art, von der eigenen Klecksografie bis zum barocken Kupferstich, so miteinander kombiniert, dass sie – lange vor Aby Warburg und Max Ernst – einen Horizont des emblematischen und magnetisierenden, des bedeutsamkeitsstiftenden und poetischen Denkens abstecken: die Zwillingsgeburt von Ikonografie und Surrealismus aus dem Geist der Romantik.


Wer kritzelt, der erlebt die Vorlust des Schreibens. Er bewegt schon die Schreibhand, schwärzt das Papier, hinterlässt Zeichen und Strukturen, gibt den erträumten Figuren Gesichter, ohne dass er sich der Mühe des sorgfältigen Formulierens und der Askese des genauen Denkens aussetzen müsste. Er geht diesseits oder jenseits der Linie, die das Schreiben vom Nichtschreiben trennt, und manchmal macht er auf dieser Linie halt.


Zur Ausstellung erscheinen drei Marbacher Magazine:


Marbacher Magazin 129/2010

Randzeichnungen. Nebenwege des Schreibens. Von Heinrich Steinfest. 2010. 104 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Broschiert. Euro 10,-. ISBN 978-3-937384-64-1


Marbacher Magazin 130/2010

Das Theatrum Mundi des Justinus Kerner Klebealbum, Bilderatlas, Collagenwerk. Von Andrea Fix. 2010. 108 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Broschiert. Euro 10,-. ISBN 978-3-937384-65-8

 

Marbacher Magazin 131/2010

»Illustrationen« von Martin Mosebach. Mit einem Gespräch zwischen Heike Gfrereis und Martin Mosebach. 2010. 60 Seiten, zahlreiche Abb. Broschiert. Euro 9,-. ISBN 978-3-937384-66-5