Pressemitteilungen
2010
PM 014/2010
Zeitkapsel 20
Hans Blumenbergs Zettelkästen, entschlüsselt von Ulrich von Bülow und Dorit Krusche
Marbach, 22. März 2010 —
Für seine besonders kunstvolle Art, auch entlegene Zitate aus allen Wissensgebieten essayistisch miteinander zu verbinden, ist der Philosoph Hans Blumenberg (1920-1996) berühmt. Dahinter stand eine perfekt organisierte Arbeitsmethode, die sich aus seinem Nachlass im Deutschen Literaturarchiv rekonstruieren lässt: In einer „Zeitkapsel“ werden seine beispiellos umfangreichen Zettelkästen nun zum ersten Mal gezeigt und erläutert. In ihrer Systematik spiegeln sich kreative Ordnungen der Gedanken, Um- und Nebenwege, auf denen das Lesen zum Denken und das Denken zum Schreiben wird. Aus dem Eklektizismus der Zettelkästen entwickelte der Philosoph eine eigene Schreibweise, die beides vereint: Systematische Konzepte und die Faszination für zufällige Textfunde an entlegenen Stellen.
Hans Blumenberg gehört zu den herausragenden Denkern und Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Seine philosophischen Hauptwerke befassen sich u. a. mit Ideen- und Metapherngeschichte, mit Anthropologie und Technik. Ende der 1950er Jahre entwickelte er seine bis heute vieldiskutierte Philosophie der Metapher, die er in großen Abhandlungen über das Weltbuch, die Höhle oder den Schiffbruch entfaltete. Neben den großen Arbeiten schrieb Blumenberg für Zeitungen prägnante Kurzessays zu Themen aus den Bereichen Geschichte, Literatur und Philosophie – diese Textform, die ebenfalls ohne seinen Zettelkasten nicht denkbar wäre, entwickelte sich mehr und mehr zu einem eigenständigen Hauptteil seines Lebenswerks.
Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 25. März 2010, 20 Uhr, im Berthold-Leibinger-Auditorium, Literaturmuseum der Moderne in Marbach statt.
Der Eintritt kostet 5.,-/ermäßigt 3,-.

