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2010

PM 019/2010

»Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum«

Ausstellungseröffnung am 6. Mai 2010 mit Henry A. Kissinger

Marbach, 30. April 2010 —

Am Donnerstag, 6. Mai 2010, wird die Ausstellung »Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum« im Literaturmuseum der Moderne eröffnet. Es sprechen der ehemalige Außenminister der USA, Henry A. Kissinger, Peter Frankenberg, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, David E. Wellbery, Universität Chicago, und der Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Ulrich Raulff. Fünfzig Exponate gewähren Einblicke ins Deutsche Literaturarchiv aus transnationaler Perspektive und schaffen so einen Raum zur Reflexion über die kulturellen Wechselwirkungen zwischen den beiden Ländern. Zwei maßgebende Germanisten, David Wellbery (Chicago) und Ernst Osterkamp (Berlin), haben die Ausstellung zusammen mit der Leiterin des Museums, Heike Gfrereis, kuratiert; das Büro space4 (Stuttgart) und die Grafikkooperation Diethard Keppler und Stefan Schmid (Marbach/ Stuttgart) haben die Gestaltung entworfen und eingerichtet.

 

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat David Wellbery und Ernst Osterkamp eingeladen, einen Blick auf die Marbacher Bestände zu werfen und anhand von Werkmanuskripten und Autographen einen kleinen Kanon der deutschen Literatur zusammenzustellen, der als virtueller Koffer auf die Reise nach Übersee gehen könnte. Sie haben insgesamt fünfzig Exponate ausgesucht, um mit ihnen die ambivalente Geschichte des deutschen Geistes zu erzählen: seinen historischen Weg zwischen Kunstautonomie und politischer Inanspruchnahme und seine Ausprägung im transnationalen Ideen-Austausch. Unter den Exponaten wird erstmals die Erstveröffentlichung der »Dialektik der Aufklärung« gezeigt, die Adorno und Horkheimer gemeinsam im amerikanischen Exil verfassten: ein Exemplar von 1946, das jetzt mit dem Suhrkamp-Archiv nach Marbach kam. Auch das Typoskript, in dem Greta Garbos Drehbuchautorin und Freundin Salka Viertel, die den Mittelpunkt der kalifornischen Exilanten bildete, ihre Memoiren aufschrieb, ist erstmals zu sehen. Neben diesen Jahrhundertwerken haben die Kuratoren auch kleinere kostbare Fundstücke ausgewählt, wie z.B. die letzte Postkarte des Historikers Ernst Kantorowicz an seinen Freund Erich von Kahler und eine Notiz zu Alexander von Humboldts Amerika-Reise. 

 

Ganz neue Nachbarschaften sind durch die getroffene Auswahl entstanden: Johann Wolfgang von Goethe neben Robert Gernhardt, Peter Handke neben Hugo von Hofmannsthal, Franz Kafka neben Siegfried Kracauer, Friedrich Schiller neben Bernhard Schlink. Die deutsche Literaturgeschichte aus deutsch-amerikanischer Perspektive das ist ein Streifzug durch Emigrantenschicksale und deren mitunter tragischen Verflechtungen, der Mythos von der Neuen Welt, aber auch ästhetische Ambition deutscher Schriftsteller, wie sie Franz Kafka, der selbst nie in die USA reiste, in einem Brief im Jahr 1913 an Kurt Wolff beschrieb: dargestellt habe er im Verschollenen: »das allermodernste New Jork«.

Zur Ausstellung erscheint das Marbacher Magazin 32/2010

»Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum.« Von Ernst Osterkamp und David E. Wellbery. Dt./Engl. 2010. 172 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Broschiert. Euro 15,-ISBN 978-3-937384-68-9

 

Die Ausstellung ist vom 7. Mai -3. Oktober 2010 geöffnet.

Die Veranstaltung am 6. Mai ist nicht öffentlich.