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2010

PM 020/2010

Deutsches Literaturarchiv Marbach erwirbt Archiv der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA)

Marbach, 10. Mai 2010 —

Das Archiv der Deutschen Verlags-Anstalt geht in den Besitz des Deutschen Literaturarchivs Marbach über. Damit ist es gelungen, eines der wichtigsten deutschen Verlagsarchive der Nachkriegszeit für Belletristik und Sachbuch zu bewahren, das darüber hinaus für die Geschichte des geistigen und wirtschaftlichen Lebens der Region Stuttgart von besonderer Bedeutung ist. Der Ankauf wurde maßgeblich von der Robert Bosch Stiftung und der Kulturstiftung der Länder gefördert.

 

Die Bemühungen des Deutschen Literaturarchivs Marbach um das Archiv der 1881 gegründeten Deutschen Verlags-Anstalt (München) reichen bis in das Jahr 2003 zurück. Damals war der Stuttgarter Sitz des Verlags noch nicht vollständig aufgegeben. Beim Verkauf der Verlagsgruppe an Random House im Jahr 2005 verblieb lediglich das Archiv der Deutschen Verlags-Anstalt im Besitz der FAZ GmbH. Das sehr umfangreiche Archiv der Abteilungen für Fachzeitschriften und alle Dokumente, die die rein wirtschaftliche Seite der DVA betreffen, wurden dem Wirtschaftsarchiv in Hohenheim übergeben. Das für das DLA einschlägige Archiv des Buchverlags (incl. der historischen Bestände der Verlage Engelhorn und Hallberger) sowie der Autographenbestand wurden nach Frankfurt a. M. transportiert und dort gelagert.

 

Große Teile des Bestands wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, deshalb ist die Überlieferung erst seit 1945 lückenlos. Immerhin konnte eine Reihe von wichtigen Konvoluten aus früheren Jahren gerettet werden – dazu gehören die kleinen Archive der 1831 gegründeten Hallberger’schen Verlagshandlung, aus der 1881 die DVA hervorging, die Korrespondenz des später übernommenen Engelhorn Verlags und einzelne Briefe und Brieffolgen, etwa von Theodor von Fontane (ein inhaltsreicher Brief), Emile Zola (2 Briefe), Theodor Heuss (389 Schreiben von ihm aus den Jahren 1933-66) und Gottfried Benn (29 Briefe von ihm, vorwiegend aus der NS-Zeit). Ähnlich verhält es sich mit der wertvollen Verlagsbibliothek. Sie enthält annähernd die gesamte Verlagsproduktion; die Bestände aus den Jahren vor 1945 wurden größtenteils rekonstruiert.

 

Der Bestand an Unikaten ist für das DLA von besonderer Bedeutung, denn er ergänzt nicht nur die in Marbach bereits vorhandenen Verlagsarchive (Cotta, S. Fischer, Piper, Luchterhand, Suhrkamp/Insel u. a.) hervorragend, sondern auch die Nachlässe verschiedener Schriftsteller, die einst zum Autorenkreis der DVA gehörten. Besonders hervorzuheben sind die oft sehr umfang- und auch inhaltsreichen Verlagskorrespondenzen mit Konrad Adenauer, Julius Bab, Gottfried Benn, Max Bense, Johannes Bobrowski, Paul Celan, Ernst Robert Curtius, Milo Dor, Dietrich Fischer-Dieskau, Erich Fromm, Gertrud Fussenegger, Theodor Heuss, Sarah Kirsch, Isolde Kurz, Christoph Meckel, José Ortega y Gasset, Marcel Reich-Ranicki, Nelly Sachs, Ina Seidel, Friedrich Sieburg und W. E. Süskind.

 

Die Verlagsarchive werden voraussichtlich Ende Juni 2010 von Frankfurt nach Marbach gebracht.