Pressemitteilungen
2010
PM 036/2010
Tagung:
Kunstfreiheit und Zensur in der Bundesrepublik (1949-2009)
16.-17. Juli 2010, Tagungsräume
Abendvortrag von Josef Foschepoth am 16. Juli, 20 Uhr
Marbach, 14. Juli 2010 —
Ist es vertretbar, dass das Verbot für ein in das kulturelle Gedächtnis eingegangene Werk wie Mephisto von Klaus Mann auf Dauer, noch Jahrzehnte nach dem Tod aller Betroffenen, juristisch Maßstäbe setzt? Hat der Schutz des Persönlichkeitsrechtes prinzipiell gegenüber dem Allgemeininteresse an der Kanonisierung und Tradierung eines epochentypischen Textes Vorrang?
Angesichts der Vielzahl von Bücherverboten, die in den letzten Jahren durch Privatpersonen vor staatlichen Gerichten erwirkt wurden, werden auf der Tagung Kunstfreiheit und Zensur in der Bundesrepublik (1949-2009) solche zentrale Fragen in Hinsicht auf das normative Verständnis pluralistischer Öffentlichkeit konkretisiert und analysiert. Neben literaturwissenschaftlichen Überlegungen wird auch der Frage nach kultursoziologischen, medien-, buch- und rechtswissenschaftlichen Implikationen des Zensurproblems nachgegangen. Unter den renommierten Vortragenden sprechen u. a. Helmut Frielinghaus (Hamburg) über »Günter Grass und die Zensur«, Andrea Geier (Trier) über »Rainer Werner Fassbinders Stück ‚Der Müll, die Stadt und der Tod’ und die ‚Tabus der 68er Bewegung’«, Eduard Beaucamp über »Die Leipziger Schule und der deutsch-deutsche Bilderstreit nach 1989« und Friederike Reents (Heidelberg) über »Autorinszenierung und Zensurprovokation«. Der Initiator der Tagung York-Gothard Mix (Marburg), Gerichtsgutachter im Fall Esra, hält einen Vortrag zum Thema »Quantität und Qualität oder wie quotenfixiert ist der Kulturbetrieb?«.
Im Rahmen der Tagung spricht Josef Foschepoth (Freiburg) am 16. Juli um 20 Uhr im Kilian-Steiner-Saal zum Thema: »Die Postzensur und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik«, der Vortrag ist öffentlich.
Begleitend zeigt das Deutschen Literaturarchiv Marbach eine kleine Vestibülausstellung aus seinen Bibliotheksbeständen zum Thema »Zensur«.
WICHTIGER HINWEIS: Der Publizist Heribert Prantl kann leider nicht (wie ursprünglich angekündigt) an der Tagung teilnehmen.
Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung