Pressemitteilungen
2010
PM 039/2010
Liselotte Jünger ist tot
Marbach, 03. September 2010 —
Liselotte Jünger (geb. Bäuerle) ist am 31. August 2010 in Überlingen gestorben. Sie war in den Jahren 1952-1962 Leiterin des neu begründeten Cotta-Archivs im Deutschen Literaturarchiv Marbach, es gilt heute als das bedeutendste und am besten erschlossene Verlagsarchiv des 19. Jahrhunderts in Deutschland. In zweiter Ehe war Liselotte Jünger mit dem Schriftsteller und Philosophen Ernst Jünger verheiratet.
Die Germanistin und Historikerin Liselotte Jünger, geboren am 20. Mai 1917, schrieb ihre Promotion an der Universität Gießen über die Komödien von Sebastian Sailer, einem Prediger und schwäbischen Mundartdichter des Barock. Von 1943 bis 1952 war sie Archivarin der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, dann in gleicher Funktion Angestellte der »Stuttgarter Zeitung«. Nachdem die von der Stuttgarter Zeitung gestiftete »Cotta'sche Handschriftensammlung« (1952) und die Archivbibliothek (1954) dem Deutschen Literaturarchiv übergeben wurden, hat sie das Cotta-Archiv im Deutschen Literaturarchiv maßgeblich aufgebaut und betreut. Außerdem verfasste Liselotte Jünger u. a. eine Verlagsgeschichte (1959), ein Bestandsverzeichnis (1963) und gab gemeinsam mit Horst Fuhrmann den Schelling-Cotta-Briefwechsel (1965) heraus. Nach ihrer Heirat mit Ernst Jünger (1962) verließ sie das Archiv und widmete sich als Archivarin und Lektorin dem Werk ihres Mannes, dessen Nachlass das Deutsche Literaturarchiv mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg im Jahr 1997 erwerben konnte.
Liselotte Jünger blieb dem Deutschen Literaturarchiv stets eng verbunden, ihr Herzensanliegen war es zuletzt, das ehemalige Wohnhaus Ernst Jüngers im oberschwäbischen Wilflingen als Erinnerungsstätte für Ernst Jünger zu erhalten: Das Ernst-Jünger-Haus wird nun im Frühjahr 2011 nach Sanierung wiedereröffnet. An der Vorbereitung der großen Ernst Jünger-Retrospektive, die das Deutsche Literaturarchiv am 7. November 2010 eröffnen wird, nahm sie bis zuletzt lebhaft Anteil.

