Pressemitteilungen

2010

PM 054a/2010

»Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund«

Große Ernst Jünger-Ausstellung wird am 7. November eröffnet

Marbach, 29. Oktober 2010 —

Am Sonntag, 7. November 2010, wird die große Ausstellung »Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund« im Literaturmuseum der Moderne eröffnet. Aus diesem Anlass sprechen um 14.30 Uhr im Deutschen Literaturarchiv Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Helmut Rau, Minister im Staatsministerium Baden-Württemberg, der Schriftsteller Martin Walser, und Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Zur Ausstellungseröffnung findet am Donnerstag, 4. November, um 11 Uhr eine Pressekonferenz statt. Die Leiterin des Museums, Heike Gfrereis, hat gemeinsam mit Ellen Strittmatter (Marbach) und Stephan Schlak (Berlin) die Ausstellung erarbeitet, die das Büro space4 (Stuttgart) und die Grafikkooperation Diethard Keppler und Marcus Wichmann (Marbach/Stuttgart) gestaltet haben. Zur Ausstellung wird ein umfangreicher Katalog erscheinen, für den Stephan Schlak verantwortlich zeichnet.
Ein Großteil der etwa 600 Exponate war bislang weder ausgestellt noch publiziert. Kernstück der Ausstellung bilden über 280 Tagebücher und Manuskripte, die der Schriftsteller und Philosoph im Laufe seines Lebens verfasst hat. Für den Jünger-unkundigen Besucher gibt die Ausstellung eine Einführung in Ernst Jüngers langes Leben und umfangreiches Werk. Sie ist aber auch ein Essay, ein Versuch, die in einem Nachlass erhaltenen Zeugnisse zu unterschiedlichen, doch gleichberechtigten Indizienketten anzuordnen, die sehr verschiedene Arten der monografisch-historischen Lektüre erlauben. Das Bild des Autors Jünger, das sich aus dieser umfassenden Ausstellung ergibt, ist das eines Mannes, der unermüdlich, ein Jahrhundert lang produziert: Arbeiter am Abgrund der Zeit.

Die Planungen des Deutschen Literaturarchivs, eine Ausstellung zu Ernst Jünger als einem der wichtigsten modernen Schriftsteller und einer außergewöhnlichen Figur der deutschen Geistesgeschichte zu zeigen, reicht bis in das Jahr 2006 zurück. Da vor zwei Jahren alle Sammlungen im Wilflinger Wohnhaus von Ernst Jünger für die Sanierung evakuiert werden mussten, gab es jetzt die einmalige Gelegenheit, an einem Ort und auf eine bislang nicht mögliche und auch nicht wiederholbare Weise den Tagebuch- und Manuskriptnachlass mit den Büchern, den Käfern, Muscheln und anderen Sammlungsgegenständen zu präsentieren, also die ganze Fülle des Materials dieses Jahrhundertautors. Hinzu kam, dass die von Jünger sehr oft mit Tesafilm beklebten und daher stark gefährdeten Manuskripte und Tagebücher durch ein 2008 begonnenes Digitalisierungs- und Restaurierungsprojekt so weit gesichert sind, dass sie nun in großem Umfang in einer Wechselausstellung gezeigt werden können.

Von Jüngers erstem bis zu seinem letzten Tagebuch können die Besucher auf einen Blick seine besondere Arbeitstechnik überblicken. Sie können verfolgen, wie sich Daten, Wörter, Bilder aus den Tagebüchern in seine Werke größeren Formats verschieben, und sie gewinnen möglichst dicht am Originalmaterial und dennoch schnell einen Eindruck von Jüngers lebenslangem, nahezu neunzig Jahre anhaltenden Schreiben. Neben dieser chronologischen, sich durch beide Ausstellungsräume erstreckenden großen Linie der Tagebücher gibt es zehn thematische Kapitel, die an den zentralen Konstanten dieses Schreibens ansetzen: an ihren auffälligen Oberflächenphänomenen, die hin zu Jüngers zentralen Metaphern, seinen Denk-, Schreib- und auch Lebenshaltungen führen, seinen ästhetisch-philosophischen Verfahrensweisen ebenso wie seiner politischen Disposition.

Einen Tag nach Ende der Ausstellung, zu Jüngers 116. Geburtstag am 29. März 2011, wird dann das Jüngerhaus in Wilflingen feierlich wieder eröffnet.
Am 7. November 2010 wird Kulturstaatsminister Bernd Neumann um ca. 14 Uhr das Archiv des Insel Verlags besichtigen, an dessen Erwerb sich der Bund maßgeblich durch Mittel des Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) beteiligt hat. Pressefotografen sind dazu eingeladen; um Anmeldung per E-Mail:
»gundi.trentmann@dla-marbach.de« wird gebeten.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog: MK64 | Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund (Mit Beiträgen von Stephan Schlak, Heike Gfrereis, Detlev Schöttker und Gespräche mit Helmut Lethen und Karl Heinz Bohrer) 284 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Broschiert. ISBN 978-3-937384-69-6, Euro 26,-

In der Reihe »Aus dem Archiv« (ADA) erscheint im November der Band:
»Ernst Jünger: Drei Mal Rhodos. Die Reisen 1938, 1964 und 1981«
Herausgegeben von Lutz Hagestedt und Luise Michaelsen Mit einem Nachwort der Herausgeber. 108 Seiten. 4 Abb. Fadengeheftete Klappenbroschur. ISBN 978-3-937384-70-2, Euro 14,-

Außerdem erscheint im November in der Reihe »marbacher schriften. neue folge« der Band »Im Haus der Briefe. Autoren schreiben Ernst Jünger 1945-1991« Herausgegeben von Detlev Schöttker unter Mitarbeit von Anja S. Hübner.151 Seiten. Broschiert. Euro 16,90 ISBN: 978-3-8353-0866-4 (Wallstein Verlag)

Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Eröffnung der Ausstellung ›Ernst Jünger – Arbeiter am Abgrund‹