Pressemitteilungen

2010

PM 059/2010

Vorlass des Literaturwissenschaftlers Friedrich Kittler geht nach Marbach

Marbach, 17. November 2010 —

Friedrich Kittler, Professor em. für Geschichte und Ästhetik der Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin, übereignet dem Deutschen Literaturarchiv Marbach seinen Vorlass zur Aufbewahrung, Erschließung und Erforschung. Kittlers Archiv wurde mit Mitteln der Felix Burda Stiftung erworben. Unter den umfangreichen Materialien befinden sich Manuskripte und Vorarbeiten zur Genese seiner publizierten Werke und Essays, Manuskripte unpublizierter Prosa, Tagebücher, Zettelkästen sowie ausgewählte Hand- und Widmungsexemplare seiner Bibliothek. Außerdem finden sich unter den Archivalien Korrespondenzen u. a. mit Jacques Derrida, Michel Foucault, Jochen Hörisch, Manfred Frank und Ludwig Siep. Darstellungen mathematischer Experimente und von ihm selbst entwickelte Audioelektronik, Filmaufnahmen, aufgezeichnete Interviews und Fotografien sind weitere Bestandteile seines Vorlasses. Bezüge zum Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach ergeben sich theoriegeschichtlich in besonderem Maße über Martin Heidegger.

Friedrich Kittler, geboren 1943, gilt international als einer der bedeutendsten deutschen Literaturwissenschaftler. 1976 wurde Kittler mit einer Arbeit über den Dichter Conrad Ferdinand Meyer promoviert. Von 1976 bis 1986 arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent am Deutschen Seminar der Universität Freiburg. Schriften wie „Aufschreibesysteme 1800/1900“ (1985) und „Grammophon Film Typewriter“ (1986) von Friedrich Kittler haben in den Geisteswissenschaften bis weit in die mediale Öffentlichkeit hinein Maßstäbe gesetzt. Kittlers Forschungsinteresse gilt den Fragen des historischen Zusammenhangs von Medien, Technik und Militär. In jüngerer Zeit arbeitete er vor allem über die Antike („Musik und Mathematik“ 2006). Als Gastprofessor lehrte er an zahlreichen Universitäten, so u. a. an der University of California (Berkeley), an der Columbia University (New York), an der University of California (Santa Barbara) und an der Stanford University. Seit 2001 ist er außerdem stellvertretender Direktor des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik und Mitglied der Forschergruppe „Bild Schrift Zahl“ (DFG). Mit der Erwerbung des Archivs von Friedrich Kittler vermehrt das Deutsche Literaturarchiv die Zahl seiner Bestände, die medientheoretisch von besonderer Relevanz sind; zu diesen gehören u. a. die Nachlässe von Rudolf Arnheim und Siegfried Kracauer.