Pressemitteilungen

2010

PM 066/2010

Der Germanist Walter Müller-Seidel ist tot

Marbach, 03. Dezember 2010 —

Der renommierte Literaturwissenschaftler Walter Müller-Seidel ist am 27. November 2010 gestorben. Walter Müller-Seidel war dem Deutschen Literaturarchiv stets eng verbunden. Vierzig Jahre lang, von 1958-1998, war er Mitherausgeber des Jahrbuchs der Deutschen Schiller-Gesellschaft. Nach einem Aufruf des Deutschen Germanistenverbands im Jahr 1972, namentlich von Walter Müller-Seidel und Eberhard Lämmert, der Erforschung der Fachgeschichte besonders im Hinblick auf die Jahre 1933 bis 1945 eine dokumentarische und institutionelle Basis zu geben, richtete das Deutschen Literaturarchiv Marbach die ›Arbeitsstelle für die Erforschung der Geschichte der Germanistik‹ als Zentrum für die historische Selbstreflexion ein. Die Übergabe seines Manuskript- und Briefbestandes verabredete Walter Müller-Seidel mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach noch zu Lebzeiten.

Walter Müller-Seidel, geboren am 1. Juli 1918 in Schöna (Sachsen), studierte in Leipzig und wurde 1949 in Heidelberg mit einer Arbeit über Friedrich Schillers Jugenddramen promoviert. Seine Habilitationsschrift über Heinrich von Kleist, die 1961 unter dem Titel „Versehen und Erkennen“ erschien, gilt als Standardwerk. Im Jahr 1960 wurde er als Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte. Er ist Mitherausgeber der Schiller-Nationalausgabe und der Werke E.T. A. Hoffmanns. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörte die Sozialgeschichte der Literatur vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, ebenso die Wissenschaftsgeschichte der Germanistik. Walter Müller-Seidel zählte zu den ersten, die Strafrechts- und Medizingeschichte maßgeblich in die literaturwissenschaftliche Forschung einbezogen. Im Jahr 2009 erschien sein Buch „Friedrich Schiller und die Politik“. Zuletzt arbeitete er an seiner Autobiographie.

Walter Müller-Seidel war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.