Pressemitteilungen

2010

PM 067/2010

Vorlass des Literaturwissenschaftlers Hans Ulrich Gumbrecht geht nach Marbach

Marbach, 06. Dezember 2010 —

Der deutsch-amerikanische Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht übereignet seinen Vorlass dem Deutschen Literaturarchiv Marbach. Zu den umfangreichen Materialien gehören Korrespondenz zu den Stanford Presidential Lectures und den Symposia in the Humanities and Arts, mit Briefen von u. a. Jacques Derrida, Peter Eisenman, Pina Bausch, Wolfgang Iser, Christo und Jeanne-Claude und Wole Soyinka, außerdem Materialien zum Grundriß der romanischen Literaturen des Mittelalters. Weiterhin gehören zu den Beständen u. a. Arbeitsnotizen zu seinem Buch »1926«, verschiedene Publikationsvorlagen und eine Sammlung mit Bildmaterial und Fotografien. Darüber hinaus werden Urkunden und annotierte Handexemplare der Publikationen von Hans Ulrich Gumbrecht übergeben. Bezüge zum Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach ergeben sich theoriegeschichtlich in besonderem Maße über Friedrich Kittler und Gert Mattenklott.

Hans Ulrich Gumbrecht, 1948 in Würzburg geboren, gilt als einer der bedeutendsten und international einflussreichsten Intellektuellen aus Deutschland. Er hat maßgeblich an der Entwicklung von geisteswissenschaftlichen Diskursen im In- und Ausland mitgewirkt; in jüngerer Zeit wandte er sich verstärkt auch philosophischen Fragestellungen zu. Er studierte als Stipendiat der Stiftung Maximilianeum Romanistik, Germanistik, Philosophie und Soziologie in München, Regensburg, Salamanca, Pavia und Konstanz. 1971 wurde Gumbrecht in Konstanz promoviert, 1974 habilitierte er sich dort in Allgemeiner und Romanischer Literaturwissenschaft. 1975 übernahm Gumbrecht eine Professur an der Ruhr-Universität Bochum, 1983 an der Gesamthochschule Siegen. Seit 1989 ist er der Albert Guérard Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford University. Sein Werk »Eine Geschichte der spanischen Literatur« (1990) gilt als Standardwerk der Romanistik; er hat darüber hinaus vielbeachtete Publikationen verfasst, die im Original in englischer Sprache erschienen sind, u. a. »1926. Ein Jahr am Abgrund der Zeit« (2003), »Die Macht der Philologie« (2003), »Lob des Sports« (2005) und »Unsere breite Gegenwart« (2010). Im Februar 2011 erscheint sein neues Buch »Stimmungen lesen. Über eine verdeckte Wirklichkeit der Literatur« (Hanser Verlag). Er ist ständiger Gastprofessor an der Universität Montreal, am Collège de France (Paris) und an der Zeppelin University (Friedrichshafen).
Ehrendoktorwürden empfing er von den Universitäten Montevideo (1999), Montreal (2004), Siegen (2007), St. Petersburg (2007), Greifswald (2008), Marburg (2009), Lissabon (2009) und Aarhus (2010).