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2010

PM 069/2010

Abgüsse von verschollenem Werk Heinrich Danneckers wiederentdeckt

Marbach, 07. Dezember 2010 —

Im Standardwerk über den Bildhauer Johann Heinrich Dannecker, dem 1987 erschienen Katalog Christian von Holsts, wird es noch als verschollen bezeichnet: das Porträtrelief des Dichters und Bibliothekars Friedrich Haug. Zwar muss das ehemals im Besitz der Staatsgalerie befindliche Exemplar weiterhin als verloren gelten, doch sind im Deutschen Literaturarchiv Marbach kürzlich gleich zwei vom Künstler signierte Abgüsse aufgetaucht. Beide stammen aus dem Besitz von Nachkommen Haugs. Eines ist schon 1905, mit dem Nachlass des Dichters, das andere 1928 nach Marbach gelangt.

Welches der drei bekannten Exemplare die früheste, 1815 geschaffene Version darstellt, ist so wenig geklärt wie es die Entstehungsumstände des Reliefs sind: Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit der kurz darauf erfolgten Er-nennung Haugs zum Hofrat und Leiter der Königlichen Öffentlichen Bibliothek. Vielleicht hat Dannecker das Bildnis aber ganz ohne äußeren Anlass, als reine Freundschaftsgabe geschaffen, ähnlich wie 1796 das ebenfalls in Marbach auf-bewahrte, kleinere Porträtmedaillon Friedrich Schillers. Auch mit Haug war der Bildhauer seit der gemeinsamen Studienzeit an der Militärakademie des Herzogs Carl Eugen eng verbunden. Gut dreißig Jahre später würdigte er den damals 54jährigen Dichter mit einem antikisch idealisierten, auf Kopf und Halsansatz reduzierten Profilbildnis, wobei er sich ganz auf die sensible Wiedergabe der Physiognomie konzentrierte. Trotz einer durch spätere Fassungen bedingten leichten Unschärfe der Konturen lässt sich der wache Geist des einst für seine treffsicheren Epigramme berühmten Autors erahnen, dessen 250. Geburtstag im kommenden Jahr gefeiert wird. Mit der Wiederentdeckung seines Porträts ist die Marbacher Skulpturensammlung um ein Werk des bedeutendsten klassizisti-schen Bildhauers in Württemberg reicher geworden.

Bildunterschrift: Porträt Friedrich Haug, Gipsrelief von Johann Heinrich Danne-cker, 1815. Durchmesser 27,5 cm. Foto: Michaelis/DLA Marbach