Pressemitteilungen
2011
PM 018/2011
Ausstellungseröffnung: Schicksal. 7 mal 7 unhintergehbare Dinge
Mit Karl Heinz Bohrer und Ulrich Raulff
Marbach, 01. April 2011 —
Keiner hat so unwiderstehlich wie Heinrich von Kleist die Macht des Schicksals beschworen, keiner so systematisch die Literatur mit Schicksalsgestalten bevölkert. Kleists zweihundertster Todestag bietet Anlass, über die Macht nachzudenken, die im Zentrum seines Werkes steht. Zur Ausstellungseröffnung „Schicksal. 7 mal 7 unhintergehbare Dinge“ spricht der Literaturwissenschaftler und Publizist Karl Heinz Bohrer über das Schicksal in der Moderne. Der Direktor des Deutschen Literaturarchivs, Ulrich Raulff, hat zusammen mit der Leiterin des Museums, Heike Gfrereis, und Ellen Strittmatter (Museum) die Ausstellung erarbeitet, die das Büro space4 (Stuttgart) und die Grafikkooperation Diethard Keppler und Marcus Wichmann (Marbach/Stuttgart) gestaltet haben. Zur Ausstellung erscheint ein Marbacher Magazin mit einem Gespräch mit Peter Sloterdijk.
Lange Zeit gehörte das Schicksal zu den Begriffen, die außer Dienst gestellt, ja geradezu verpönt waren. Dabei ist keine Geschichte der Literatur denkbar ohne dieses Urwort und die Hunderte von Geschichten, die sich hinter ihm verbergen. Die zerbrechliche Ordnung der Welt zeigen 49 Exponate, in denen sich ein Schicksal spiegelt: Manuskripte, die noch von seinem Blitz geschwärzt sind, Bücher, dank denen einer überlebt hat, Fragmente, an denen ein anderer gescheitert ist. Aber auch das Schicksal als Herausforderung an die Konstruktion: Maschinen, die den Zufall generieren, und Spiele, die ihn einfangen. In den Themenfeldern Zahlen, Sterne, Stimme, Fügung, Zeichen, Wende und Fäden werden u. a. gezeigt: Friedrich Schillers Plan zu einem Drama Das Schiff, ein Kalender von Gottfried Benn, die Nachzeichnung des Dürerschen Zahlenquadrats von Aby Warburg, Grundrisse zu einem Schachspiel von Marcel Duchamp, ein selbstgebauter Synthesizer von Friedrich Kittler, eine Postkarte von Else Lasker-Schüler an Franz Marc, eine Zeile Stockhausens an Wolfgang Rihm, die einzige erhaltene musikalische Notation von Ludwig Wittgenstein, 13 geschlossene Tagebücher von Peter Sloterdijk, Martin Walsers Ausgabe von Kafkas Erzählungen, Schuhe von Brigitte Kronauer; außerdem elf Exemplare des epochemachenden Werks von Martin Heidegger „Sein und Zeit“, annotiert von Schriftstellern und Philosophen.
Woher der Wetterstrahl fällt, der den einen zerschmettert, den anderen verschont, bleibt dunkel. Seine Wirkung aber zeigt sich an sterblichen Menschen; Götter und Tiere haben kein Schicksal...
Die Ausstellungseröffnung findet am 5. Mai 2011, um 19 Uhr im Humboldt-Saal (Archivgebäude) statt. Zur Pressekonferenz am Montag, 2. Mai 2011, um 11 Uhr sind Sie herzlich eingeladen.
Begleitend zur Ausstellung finden Veranstaltungen mit Claudia Wedepohl „Schicksalsmächte. Warburgs unvollendetes Projekt“(17. Mai 2011) und mit Peter Sloterdijk „Für die Katz. Peter Sloterdijks ungenutzte Tagebücher“ (28. Juni 2011) statt.
Das Schicksal ist beides, die Serie der Prüfungen und das Endspiel.
Peter Sloterdijk in seinem Gespräch mit Ulrich Raulff (Marbacher Magazin 135)

