Pressemitteilungen
2011
PM 027/2011
Zeitkapsel 25: Schicksalsmächte. Warburgs unvollendetes Projekt
Mit Claudia Wedepohl und Ulrich Raulff
Marbach, 13. Mai 2011 —
Der Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg hat sich ein Leben lang mit den Erinnerungszeichen magischer Kräfte beschäftigt. Die Leiterin des Archivs im Londoner Warburg Institute und Mitherausgeberin seiner »Gesammelten Schriften«, Claudia Wedepohl, gibt in der Marbacher Veranstaltungsreihe Zeitkapsel Einblicke in unveröffentlichtes Material: Sie wird über ein Notizbuch Aby Warburgs aus den Jahren 1923-24 sprechen, das den Titel »Schicksalsmächte im Spiegel antikisierender Symbolik« trägt. Es enthält Aufzeichnungen, die als Vorarbeiten für das Konzept seines Bilderatlas Mnemosyne zu charakterisieren sind, ein Projekt Warburgs, das unvollendet blieb. Im Zentrum des Notizbuchs steht die Symbolik der Schicksalsmächte. Die Aufzeichnungen können als eines der wichtigsten Quellen zur Rekonstruktion der Genese des Atlas angesehen werden.
Abraham Moritz Warburg (1866-1929), genannt Aby Warburg, stammte aus einer wohlhabenden Bankiersfamilie. Hauptgegenstand seiner Forschung war das Nachleben der Antike. Seine Dissertation gilt als Meilenstein im Fach Kunstgeschichte, von ihm wurde die Ikonologie als eigenständige Disziplin der Kunstwissenschaft etabliert. Im Jahr 1901 begann Aby Warburg mit der finanziellen Unterstützung seine Familie, systematisch Bücher zu sammeln. Die von ihm begründete Kulturwissenschaftliche Bibliothek in Hamburg umfasste zum Zeitpunkt seines Todes etwa 60.000 Bände; im Jahr 1933 wurden die Bestände vor den nationalsozialistischen Machthabern nach London in Sicherheit gebracht, die Bibliothek wurde dann im Jahr 1944 der Universität London angegliedert. In der kürzlich im Literaturmuseum der Moderne eröffneten Ausstellung »Schicksal. Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge« ist eine Leihgabe des Warburg Institute in London ausgestellt: Aby Warburgs Nachzeichnung des Dürerschen Zahlenquadrats. In dem Aufsatz Heidnisch-antike Weissagung in Wort und Bild zu Luthers Zeiten (1920) deutet Warburg die Zahlenkonstellation als magisches Bild des Glücksgottes Jupiters und damit als Gegenmittel der von seinem Vater Saturn ausgelösten Melancholie.
Die Veranstaltung findet am Dienstag, 17. Mai 2011, um 20 Uhr im Berthold-Leibinger-Auditorium (Literaturmuseum der Moderne) statt. Es moderiert der Direktor des Deutschen Literaturarchivs, Professor Dr. Ulrich Raulff. Die Ausstellung »Schicksal. Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge« wird an diesem Tag bis 20 Uhr geöffnet sein. Eintritt: 5 Euro/3 Euro

