Pressemitteilungen
2011
PM 026/2011
Ausstellungseröffnung: Briefe an Ottla. Von Franz Kafka und anderen
Mit Hans-Gerd Koch und Sarah Thomas
Marbach, 12. Mai 2011 —
Als die Verträge zur Erwerbung der Briefe an Ottla von der Bodleian Library in Oxford und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach am 4. April 2011 dank dem großen Einsatz der Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen, unterzeichnet werden konnten, war eine Ausstellung der Autographen bereits Teil der Kooperationsvereinbarungen. Mit der feierlichen Eröffnung der Ausstellung Briefe an Ottla. Von Franz Kafka und anderen am 1. Juni 2011 soll das Engagement aller Wegbereiter, der großzügigen Spender und insbesondere der Erben von Ottla Kafka bzw. Ottla Davidová gewürdigt werden. Zur Eröffnung der Ausstellung sprechen die Direktorin der Bodleian Library in Oxford, Professor Sarah Thomas, der Leiter der Kafka-Forschungsstelle in Wuppertal, Professor Dr. Hans-Gerd Koch und der Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Professor Dr. Ulrich Raulff. Bis zum 10. September 2011 werden die Briefe an Ottla in Marbach ausgestellt, anschließend werden die Autographen dann in der Bodleian Library zu sehen sein.
Gezeigt wird das kürzlich auf spektakuläre Weise erworbene Konvolut der Briefe an Ottla von Franz Kafka sowie die zusätzlich erworbenen Briefe an Ottla. Ergänzt wird diese umfassende Präsentation der Korrespondenz durch ein ausstellungsbegleitendes Booklet mit den vollständigen Transkriptionen aller Exponate (156 Seiten). Neben dem 111 Autographen (Briefe, Postkarten und Bildpostkarten) umfassenden Konvolut der Briefe an Ottla von Franz Kafka werden die zusätzlich übergebenen Briefe, 23 Briefe von Julie Kafka an ihre Kinder Franz und Ottla, 3 Briefe von Dora Diamant an Ottla sowie 9 Briefe von Robert Klopstock an Ottla in der Ausstellung präsentiert.
Ottilie Kafka, genannt Ottla, wurde am 29. Oktober 1892 in Prag geboren, sie war die jüngste Schwester Franz Kafkas. Von seinen drei Schwestern stand er seiner Schwester Ottla am nächsten, sie war seine „beste Prager Freundin“, wie er in einem Brief an Felice Bauer schreibt und wie es die in seinem Tagebuch festgehaltenen vertrauensvollen Gespräche belegen. Er unterstützte sie in ihrem Wunsch, einen kleinen landwirtschaftlichen Hof im westböhmischen Dorf Zürau zu übernehmen – gegen den heftigen Widerstand des Vaters. Auch bei ihren Auseinandersetzungen mit dem Vater um ihre Eheschließung mit dem katholischen Tschechen Josef David stand Franz Kafka seiner Schwester zur Seite. Kurz nach ihrer Deportation wurde Ottla Davidová im Jahr 1943 in Auschwitz ermordet.
Zu danken ist den Erben Ottlas für ihre Bereitschaft, die Briefe vor der Auktion zu verkaufen, dem großzügigen, auf eigenen Wunsch anonym bleibenden Förderer, dessen selbstloses Engagement die Spendenaktion in Gang brachte, Bund, Land und Kulturstiftung der Länder, die sich dieser Aktion ohne Zögern anschlossen, der Georg Holtzbrinck Verlagsgruppe für ihr deutsch-englisches Engagement, Dr. Heike Rössler und Dr. Winfried O. Krämer für ihre Unterstützung, den Kollegen an der Bodleian Library Oxford, allen voran Sarah Thomas und Richard Ovenden, für die hervorragende Zusammenarbeit, allen britischen Förderern für ihre finanzielle Unterstützung, dem Auktionshaus J. A. Stargardt für die Bereitschaft, den Erwerb der Briefe vor der Auktion zu ermöglichen, Frau Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, und Herrn Rechtsanwalt Professor Raue von der Sozietät LLP Berlin für ihre engagierte Vermittlertätigkeit, Professor Hans-Gerd Koch und Dr. Klaus Wagenbach für ihre Unterstützung der Ausstellung.
Professor Dr. Ulrich Raulff, Deutsches Literaturarchiv Marbach
Die Ausstellungseröffnung findet am 1. Juni 2011 um 19 Uhr im Humboldt-Saal (Archivgebäude) statt.
Zu einer Pressevorbesichtigung sind Sie am 31. Mai 2011 um 11 Uhr herzlich eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten: »presse@dla-marbach.de«.

