Pressemitteilungen

2011

PM 037/2011

›Per Pedal zur Poesie‹. Eröffnung des 7. literarischen Radwegs

Marbach, 20. Juni 2011 —

Am Sonntag, dem 26. Juni 2011, wird in Lörrach der mittlerweile siebte literarische Radweg Baden-Württembergs eröffnet. Von Lörrach aus, wo Johann Peter Hebels Spuren allerorten lesbar sind, durchquert der Radweg eine Landschaft, in der die Rezeption der Literatur weit über die Lektüre von Texten hinausgeht und zudem geopolitische, religiöse und soziale Grenzen überschreitet. So passiert er unterhalb der Ruine des Röttler Schlosses – für Hebel Symbol der Vergänglichkeit alles Seienden – zunächst den Schauplatz des Romans von Rolf Hochhuth, der den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger zum Rücktritt zwang. Flussaufwärts durch das Wiesental passiert die Tour Schopfheim, wo Hebel die Lateinschule besuchte, und führt nach Hausen, in den Heimatort des alemannischen Dichters, dessen Gedichte und Kalendergeschichten bis heute dort beim jährlichen Hebelfest lebendig werden. Weiter gelangt man über Dossenbach, wo Emma und Georg Herwegh 1848 für die Revolution kämpften, an das Ufer des Rheins und dann nach Bad Säckingen. Hier ließ ein Erfolgsbuch Joseph Victor von Scheffels eine Oper und eine der weltweit größten Trompetensammlungen entstehen. Die Strecke misst etwa 50 km.

Die Eröffnungsveranstaltung im Hebelsaal im Museum am Burghof beginnt um 10 Uhr; die Abfahrt ist gegen 11 Uhr. Alle Freunde der Literatur und des Rad-wanderns sind herzlich eingeladen, gemeinsam mit Dr. Thomas Schmidt, des-sen Marbacher Arbeitsstelle für literarische Museen in Baden-Württemberg das Projekt ›Per Pedal zur Poesie‹ ins Leben gerufen hat, und Studierenden der Uni-versität Freiburg, die mit ihm die Route ausgesucht und betextet haben, den Radweg einzuweihen. In Lörrach, Schopfheim, Hausen und Bad Säckingen wird es kurze Führungen und einen Imbiss geben. Gegen 17:00 Uhr erreicht die Tour Bad Säckingen.

Die landesweit geplanten literarischen Radwege sollen – zumeist orientiert an bereits erschlossenen Routen – die Landkarte Baden-Württembergs auf neue Weise erfahrbar machen. Entworfen als Tagestouren, jedoch ebenso integrier-bar in längere Wanderungen, führen sie entlang der unzähligen Literaturmuse-en und -gedenkstätten des Landes, berühren Handlungsorte von literarischen Texten und weitere wichtige Schauplätze der südwestdeutschen Literaturgeschichte. Vermittelt wird dieser topografische Umgang mit der Literaturgeschichte durch ein werbefreies, aufwendig gestaltetes und konsequent auf das Thema bezogenes Faltblatt, das – der Literatur angemessen – das gedruckte Wort und das gestaltete Papier in den Mittelpunkt stellt. Rad- und literatur-‚technische’ Informationen rahmen dort einen Essay, der die jeweilige Landschaft als eine literarische kenntlich macht.

Für die Idee der literarischen Radwege ist die im Deutschen Literaturarchiv Marbach angesiedelte Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Ge-denkstätten in Baden-Württemberg von der Initiative ›Deutschland – Land der Ideen‹ 2010 ausgezeichnet worden. Unter der Schirmherrschaft des Bundesprä-sidenten hebt der Wettbewerb außergewöhnliche Ideen hervor, die Zukunft Deutschlands aktiv mit gestalten. Der erste dieser Radwege wurde im Juni 2008 in Hölderlins Geburtsstadt Lauffen a. N. eröffnet. Insgesamt sollen landesweit 25 Radwege eingerichtet werden.

Weitere Informationen: www.literaturland-bw.de