Pressemitteilungen
2011
PM 057/2011
Zeitkapsel 26
Literatur und Terrorismus. Bernward Vesper und Gudrun Ensslin
Mit Felix Ensslin und Andres Veiel
Marbach, 23. September 2011 —
Moderation: Ulrich von Bülow
»Ma chère, der Sommer ist sehr groß + heiß. Die Revolution ist auf Oktober verschoben.« So schreibt Bernward Vesper am 2. 7. 1968 auf einer nicht abgeschickten Ansichtskarte aus Paris an Gudrun Ensslin, die nach den Frankfurter Kaufhausbränden im Frauengefängnis Frankfurt-Preungesheim inhaftiert wurde. Anhand von bisher unveröffentlichten Originalmanuskripten aus dem Nachlass von Bernward Vesper diskutieren Felix Ensslin, Professor an der Kunstakademie in Stuttgart, und der Regisseur des Spielfilms Wer wenn nicht wir, Andres Veiel, über den Zusammenhang von Literatur und Terrorismus.
Der Schriftstellersohn Bernward Vesper und die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin lernten sich 1961 beim Germanistikstudium in Tübingen kennen. Dokumente aus dem Nachlass von Bernward Vesper, den das Deutsche Literaturarchiv vor kurzem erwarb, zeugen vom zerrissenen Bewusstsein des Liebespaars: Einerseits bemühen sie sich intensiv um die Publikation der völkischen Werke von Will Vesper, andererseits gründen sie einen eigenen Verlag für linke Autoren. 1968 trennen sich ihre Wege: Gudrun Ensslin beteiligt sich an den Kaufhausbrandstiftungen in Frankfurt und gehört von Anfang an zum harten Kern der RAF. Bernward Vesper driftet in die Drogenszene ab und schreibt den autobiographischen Romanessay Die Reise, der erst 1977, sechs Jahre nach seinem Freitod erscheint und im »Deutschen Herbst« zum »Nachlass einer Generation« erklärt wird.
Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 28. September, um 20 Uhr im Berthold-Leibinger-Auditorium im Literaturmuseum der Moderne statt. Der Eintritt kostet 5.-/erm. 3,- Euro. Es moderiert Ulrich von Bülow.

