Pressemitteilungen
2011
PM 062/2011
Neues Heft in der Reihe SPUREN: Rainer Maria Gerhardt in Karlsruhe
Marbach, 11. Oktober 2011 —
Der Dichter, Übersetzer, Grafiker und Verleger Rainer Maria Gerhardt war erst 27 Jahre alt, als er sich 1954 in Karlsruhe das Leben nahm. Er war ein Avantgardist; vor allem aber war er ein Entdecker: In Freiburg begonnen, unterhielt er in Karlsruhe seine Zeitschrift ›fragmente‹ und einen gleichnamigen Verlag weiter. Hier veröffentlichte er – teilweise zum ersten Mal in Deutschland – Texte von Ezra Pound, Henry Miller, Robert Creeley, Antonin Artaud, Charles Olson und William Carlos Williams, die er mit seiner Frau Renate zusammen übersetzt hatte. Mit seinen Aktivitäten gab Gerhardt entscheidende Anstöße für einen Wiederanschluss der deutschen Literatur an die weltliterarische Moderne nach dem Krieg, die später insbesondere von Enzensberger und Höllerer weitergeführt wurden.
An der Karlsruher Kunstakademie experimentierte Gerhardt mit Klecksografien und Holzschnitten. Auch seine ersten Bücher gestaltete er selbst. Mit seinen eigenen Gedichten gab Gerhardt Impulse für die Entwicklung einer experimentellen Lyrik in Deutschland. Er widmete sein Leben der Literatur, scheiterte aber wiederholt am Misstrauen und der Kritik von Kollegen in Deutschland sowie an Geldmangel und der fehlenden Resonanz in der Öffentlichkeit.
Im neuen Heft der bibliophilen Marbacher Reihe SPUREN zeichnet der Literaturwissenschaftler und Journalist Georg Patzer Gerhardts fast vergessene Aktivitäten in Karlsruhe nach und illustriert die Nachkriegswelt des Dichters mit bislang unveröffentlichten Fotos und Dokumenten.
Das Heft "SPUREN 81" hat 16 Seiten und 20 Abbildungen und kostet 4,50 Euro (ISBN 978-3-937384-39-9).

