Pressemitteilungen
2011
PM 061/2011
Lesung und Gespräch
Dichter, Kassenarzt, Mystiker. Das Leben des Alfred Döblin
Mit Wilfried F. Schoeller
Marbach, 11. Oktober 2011 —
1929 wurde Alfred Döblin durch den genialen Roman „Berlin Alexanderplatz“ weltberühmt. Und doch gilt er nach wie vor als der größte Unbekannte der Literatur des 20. Jahrhunderts. Niemand bestreitet seinen ungeheuren Einfluss, so unterschiedliche Autoren wie Günter Grass und Ingo Schulze zählen ihn zu ihren Vorbildern – und zugleich kann kaum jemand sein monumentales Lebenswerk überschauen. Das Fehlen einer Biographie wird seit mehr als einem halben Jahrhundert beklagt. Nun hat sie der Literaturkritiker und Schriftsteller Wilfried F. Schoeller – früherer Leiter der Abteilung „Aktuelle Kultur“ beim Hessischen Rundfunk – geschrieben. Nach jahrelangen Recherchen stellt er Döblin in Marbach als ein Jahrhundertgenie zwischen Dichtern und Naturwissenschaftlern, zwischen Bohemiens und mittellosen Patienten vor.
Neben dem gedruckten Werk schöpft Schoeller vor allem aus Döblins Nachlass, der seit 1961 im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrt wird. Dabei ist es ihm gelungen, zahlreiche Materialien erstmals ans Licht der Öffentlichkeit zu heben. Schoellers im Münchner Hanser Verlag erschienene Biographie ist nicht zuletzt eine exemplarische Studie über einen Menschen, der als Arzt und Künstler, als Jude und Katholik, als Patriot und Sozialist in die Tragödien des 20. Jahrhunderts hineingezogen wurde, der in all seiner Widersprüchlichkeit und Experimentierfreude ebenso fasziniert wie sein 1980 von Rainer Werner Fassbinder verfilmter Berlin-Roman.
Die Veranstaltung findet am Montag, 17. Oktober 2011, um 20 Uhr im Humboldt-Saal (Archivgebäude) statt. Es moderiert Jan Bürger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des DLA, der selbst seit 1993 mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Literatur des frühen 20. Jahrhunderts hervorgetreten ist.

