Pressemitteilungen
2011
PM 065/2011
Suhrkamp-Insel 5: Ingeborg Bachmanns »Malina«
Ausstellungseröffnung mit Therese Affolter, Jan Bürger und Magdalena Hack
Marbach, 20. Oktober 2011 —
Ingeborg Bachmanns einziger Roman Malina war 1971 bei seinem Erscheinen ein Wagnis: Zehn Jahre lang hatte die Dichterin kein neues Buch vorgelegt – und nun wechselte sie nicht nur den Verlag, sondern auch das Genre. Zu den wichtigsten Gesprächspartnern bei diesem Schritt gehörte der Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld. Hinzu kam Martin Walser, der – neben Uwe Johnson – Bachmanns Manuskript lektorierte und für den Klappentext schrieb: »Das ist wohl die kühnste ›Dreiecksgeschichte‹, die man sich denken kann«. Zur Eröffnung der Ausstellung sprechen die Kuratoren Jan Bürger und Magdalena Hack über die Freundschaft zwischen Ingeborg Bachmann und Siegfried Unseld, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht und mit der gemeinsamen Arbeit an Malina ihren Höhepunkt fand. Therese Affolter, bekannt durch ihre Engagements am Wiener Burgtheater, am Berliner Ensemble und am Stuttgarter Staatstheater während der legendären Intendanz von Claus Peymann, liest aus dem ersten Kapitel des Romans Malina. In der Ausstellung werden die Spuren zur Entstehung des Romans aus dem Marbacher Siegfried Unseld Archiv gezeigt, u. a. ein umfangreiches Typoskript mit handschriftlichen Korrekturen von Ingeborg Bachmann; insgesamt 36 Exponate.
Nicht nur die Erzählweise und der Stoff des Romans Malina sind unkonventionell. Auch die Radikalität ist überraschend, mit der Bachmann eine Innenwelt darstellt, die zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät. Die Verstörung der Ich-Erzählerin erweist sich dabei als so ansteckend, dass sie elementare Lesegewohnheiten aushebelt. Besonders die Abgrenzungen zwischen den Figuren stehen zur Disposition: Spricht das Ich zu sich selbst oder zu einem Dritten? Erzählt es von Malina oder Ivan? Nur eines scheint fraglos: Bei allem geht es um Liebe. Die zeitgenössische Kritik begegnete dem Buch eher ablehnend. Beim Publikum hingegen hatte es großen Erfolg, bis heute.
Die Ausstellungsreihe »Suhrkamp-Insel« macht die Erwerbung der Verlagsarchive von Insel und Suhrkamp als eines der spektakulärsten Ereignisse in der Geschichte des Deutschen Literaturarchivs sichtbar. Vier Jahre lang, mit drei Wechseln im Jahr, werden auf einem großen Auspacktisch im Literaturmuseum der Moderne die Dimensionen der neuen Bestände vermessen.
Die Ausstellungseröffnung findet am 27. Oktober 2011, um 19 Uhr im Humboldt-Saal des Deutschen Literaturarchivs statt.
Eine Pressevorbesichtigung findet am 27. Oktober 2011, um 14 Uhr statt. Um Anmeldung wird gebeten: presse@dla-marbach.de

