Pressemitteilungen

2011

PM 073/2011

Lesebibliothek von Hans Blumenberg geht nach Marbach

Marbach, 10. Dezember 2011 —

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach erwirbt die literarische Lesebibliothek (867 Bände) des Philosophen Hans Blumenberg mit zahlreichen Handexemplaren aus Familienbesitz. Die Erwerbung wurde von der Lübecker Drägerwerk AG finanziell unterstützt. Bereits im Jahr 2003 hatte das Deutsche Literaturarchiv mit dem Nachlass des Gelehrten einen großen Teil der philosophischen Arbeitsbibliothek (568 Bände) übernommen. Für die internationale Blumenberg-Forschung eröffnet diese Bestandsergänzung neue Erkenntnisse über die inneren Zusammenhänge des Gesamtwerks Blumenbergs.

Die Anstreichungen in Blumenbergs Büchern korrespondieren mit einem ausge-feilten System von Karteikarten, das tiefgreifende Einblicke in die Arbeitsweisen des Philosophen zeigt. Die Marbacher Neuerwerbung dokumentiert Hans Blu-menberg als Leser von Thomas Mann, Theodor Fontane, Ernst Jünger, Paul Ce-lan, William Faulkner, Jean Paul und vieler anderer Klassiker der Weltliteratur. Der im Jahr 2003 erworbene Nachlass Blumenbergs umfasste insgesamt 8000 Blatt unveröffentlichter Notate und Werkmanuskripte, Arbeitsbücher und Kartei-karten, eine ausgedehnte Korrespondenz (etwa mit Adorno, Hans Robert Jauß, Helmuth Plessner und Siegfried Unseld) sowie seine Arbeitsbibliothek. Dieser Bestand wurde katalogisiert und Spuren der Benutzungs- und Überlieferungsge-schichte dokumentiert.

Einige seiner Werke sind längst zum geflügelten Wort geworden: Arbeit am My-thos (1979), Die Lesbarkeit der Welt (1981) oder Die Sorge geht über den Fluß (1987). Hans Blumenberg wirkte als Philosoph, der auch Germanistik und klassi-sche Philologie studiert hatte, weit über den universitären Bereich hinaus und gehört zu den herausragenden Denkern und Intellektuellen des 20. Jahrhunderts in Deutschland.