Pressemitteilungen
2013
PM 38/2013
Der Bibliothekar Paul Raabe ist tot
Marbach, 05. Juli 2013 —
Der renommierte Bibliothekar und Literaturwissenschaftler Paul Raabe ist heute im Alter von 86 Jahren gestorben. Raabe gilt als herausragender Gelehrter seines Fachs, er hat als Leiter der Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs, der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und zuletzt als Direktor der Franckeschen Stiftungen in Halle die deutsche Bibliothekslandschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich geprägt. Paul Raabes Lebenswerk erfuhr seit den 1990er Jahren eine breite öffentliche Würdigung durch hochrangige staatliche und wissenschaftliche Auszeichnungen, darunter das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und zuletzt die Leibniz-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Paul Raabe, geboren am 21. Februar 1927, hat eine Ausbildung zum Diplombibliothekar absolviert, Germanistik und Geschichte an der Universität Hamburg studiert und sich 1967 in Göttingen habilitiert. In den Jahren 1958 bis 1968 leitete er die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach, an deren Aufbau er insbesondere durch seine Erforschung des literarischen Expressionismus wesentlichen Anteil hatte. In seiner Zeit als Bibliothekar in Wolfenbüttel begann er deren Ausbau zu einer international anerkannten Forschungs- und Studienstätte für europäische Kulturgeschichte. Von 1992 bis 2000 war Raabe Direktor der Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale, deren Wiederaufbau er wesentlich befördert und begleitet hat; zudem Mitglied des Stiftungsrates der Klassik Stiftung Weimar. Sein umfangreiches Werk umfasst zahlreiche Veröffentlichungen zur Buch- und Bibliotheksgeschichte, zur Literatur der Weimarer Klassik, Aufklärung und Expressionismus, u. a. Bücherlust und Lesefreuden. Beiträge zur Geschichte des Buchwesens im 18. und frühen 19. Jahrhundert (1984), Mein expressionistisches Jahrzehnt. Anfänge in Marbach am Neckar (2004) und Frühe Bücherjahre: Erinnerungen (2007); voraussichtlich im Herbst dieses Jahres wird sein jüngstes Buch Tradition und Innovation. Studien zur Bibliotheksgeschichte erscheinen.

