Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum?
7.5. bis 4.10.2010

Getauscht wird in dieser Ausstellung metaphorisch und buchstäblich, inhaltlich und bildlich. Originale wechseln ihre Plätze, auratische Objekte werden durch Reproduktionen und Referenzen ersetzt. Die Bedeutung und die Erzählung treten an den Platz, den im Museum sonst die Dinge einnehmen. Wir haben zwei maßgebende Germanisten, einen amerikanischen und einen deutschen, David Wellbery und Ernst Osterkamp, eingeladen, unter dem Gesichtspunkt des Tauschhandels einen Blick auf die Marbacher Bestände zu werfen und damit einen Koffer zu packen, der auf die Reise nach Übersee gehen könnte. Wie sieht der Kanon der deutschen Literatur aus, den man in Amerika ausstellen würde? Wie schwer ist es, Wissen nicht nur zu vermitteln, sondern auch noch in eine andere Welt, einen anderen Erwartungshorizont zu übersetzen? Scheint  gar die deutsche Kultur den Amerikanern näher als den Deutschen? Wie der amerikanische Rückspiegel warnt: »Caution: objects in mirror are closer than they appear«. - Ernst Osterkamp und David Wellbery haben insgesamt fünfzig Exponate ausgewählt und daraus dann wieder jeweils zehn, um mit ihnen auf zwei unterschiedliche Weisen die ambivalente Geschichte des deutschen Geistes zu erzählen: seinen historischen Weg zwischen Kunstautonomie und politischer Inanspruchnahme und seine Ausprägung im transnationalen Ideen-Austausch. Alle von ihnen ausgesuchten Objekte sind Zeitreisekoffer, nicht selten auch für und in Übersee gepackt. Alle haben im Lauf der Zeit ihre Besitzer gewechselt und ihre Bedeutung verändert, so wie es auch jetzt wieder geschieht, wenn sie von ihren unterschiedlichen Orten im Archiv und in den Museen in diesem Raum Teil von zwei Wegen werden, Literaturgeschichte zu zeigen. Viele sind ›alte Bekannte‹, die in den beiden Dauerausstellungen im Literaturmuseum der Moderne und im Schiller-Nationalmuseum in anderen Zusammenhängen ausgestellt und dort für die Zeit dieser Ausstellung durch einen Platzhalter vertreten sind.
-> Henry A. Kissingers Rede zur Eröffnung
-> David E. Wellberys Rede zur Eröffnung