Räuber sein!
3. Mai bis 12. Juni 2011
Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs Marbach bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen

Schillers Räuber waren bei ihrer Erstaufführung am 13. Januar 1782 in Mannheim ein Ereignis: »Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Thüre. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus deßen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht!« Bertolt Brecht deutet sie anderthalb Jahrhunderte später als Sieg des Theatralischen über die abgebildete Wirklichkeit: »Schiller arbeitet die dramatischen Szenen aus, auch die Monologe, legt großen Wert auf die ›Schönheiten‹ und legt sorgfältig seine Effekte an. Alles zielt darauf ab, Begeisterung zu erwecken, mitzureißen, zu entzücken, moralisch wie ästhetisch, hochgesinnte Charaktere, spannende Verwicklungen, rhetorische Explosionen, Ausstellungen starker Leidenschaften, Anzettelung atemraubender Kontroversen«.

Wie allein mit der Sprache so große Emotionen erzeugt und so starke Figuren zum Leben erweckt werden können, steht im Mittelpunkt eines Ausstellungsexperiments, das die Besucher einlädt, diese These Schritt für Schritt am eigenen Leib zu überprüfen: Allein durch ihre Grundelemente – Laut und Zeichen – provoziert Schillers Sprache dazu, dass man sie sich mimisch vorstellt: als Ereignis, das den ganzen Körper umfasst und auch mit den Augen sichtbar ist. Räuber sein auf Zeit und im Rahmen der Kunst!