13. März bis 31. August 2008

Helden aus Holz und Götter aus Gips: Stefan George hat die Welt nicht nur einige schmale Gedichtbände zu verdanken, sondern auch ein Arsenal von weit über zweihundert Porträtskulpturen. Geschaffen, große Einzelne zu verewigen, unterdrücken sie nur mühsam das Gesetz der Serialität. Ein petrifizierter Dichterstaat auf fragwürdigem Kunstniveau, so sieht eine der sonderbarsten Erbschaften aus, die aus dem Kreis um George auf die Nachwelt gekommen ist. Ein Meer von steinernen Köpfen, das eher an die Terrakotta-Armee des chinesischen Kaisers als an eine elitäre Gemeinschaft von Lyrikern und Humanisten des 20. Jahrhunderts denken lässt: Darin fand der George-Kreis einen Ausdruck, der ihm – neben Lyrik, Philosophie und Historie – gültig und verbindlich schien.
Weil diese Botschaft an die Nachgeborenen noch befremdlicher wirkte als die sonstigen Geheimzeichen des Kreises, weil sie geradezu aggressiv gegen die Denk- und Sehgewohnheiten der Moderne verstieß, deshalb musste sie bis heute ein Dasein im Schatten fristen. Erstmalig unternimmt diese Ausstellung den Versuch, das Phänomen der wundersamen Vermehrung der Köpfe im George-Kreis sichtbar und begreifbar zu machen. Was sahen die Schönen und Hochbegabten um jenen Mann, den sie »den Meister« nannten, in diesen feierlich-strengen Werken? Was verbanden sie mit einer Kunst zwischen Archaik und Surrealismus? Nirgends wirkt das Phänomen des George-Kreises erratischer als in seiner plastischen Hinterlassenschaft.
Die Ausstellung »Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung« schlägt den historischen Bogen vom späten Kaiserreich bis weit über Georges Tod im Jahr 1933. Die Monumente und Dokumente, die sie zeigt – viele davon zum ersten Mal – erhellen den Weg einer bedeutenden Gruppe von Künstlern und Intellektuellen vom ästhetischen ins politische Abseits. Dennoch urteilt diese Ausstellung nicht, sie plädiert nicht einmal. Sie versucht, dem Erstaunen einen Namen zu geben, das noch immer den befällt, der dieses rätselhafte Beinhaus der ästhetischen Moderne betritt.

Kurator: Ulrich Raulff.
Mitarbeit: Lutz Näfelt.
Gestaltung: Heike Gfrereis (Idee und Arrangement), space4 (Architektur), Diethard Keppler und Stefan Schmid (Grafik):

Der Flyer zur Ausstellung

Aktuelle Pressemitteilung 21/2008

Die Ausstellung wird von einem Marbacher Magazin begleitet (MM 21, mit Texten von Ulrich Raulff und Lutz Näfelt).

In Zusammenarbeit mit dem Stefan-George-Archiv in Stuttgart, findet im Deutschen Literaturarchiv Marbach am 25. und 26. April 2008 außerdem die ausstellungsbegleitende Tagung »Frauen um George« statt.

Foto: Stefan George und der »Fitzlibutzli«, die erste George-Büste von Ludwig Thormaehlen, 1924. Foto: Stefan George-Archiv. (Bitte zum Vergrößern auf das Bild klicken)