Schicksal. Sieben mal sieben unhintegehbare Dinge

5. Mai bis 28. August 2011

Lange Zeit gehörte das Schicksal zu den Begriffen, die außer Dienst gestellt, ja geradezu verpönt waren. Dabei ist keine Geschichte der Literatur denkbar ohne dieses Urwort und die Hunderte von Geschichten, die sich hinter ihm verbergen. Die zerbrechliche Ordnung der Welt zeigen 49 Exponate, in denen sich ein Schicksal spiegelt: Manuskripte, die noch von seinem Blitz geschwärzt sind, Bücher, dank denen einer überlebt hat, Fragmente, an denen ein anderer gescheitert ist. Aber auch das Schicksal als Herausforderung an die Konstruktion: Maschinen, die den Zufall generieren, und Spiele, die ihn einfangen. In den Themenfeldern Zahlen, Sterne, Stimme, Fügung, Zeichen, Wende und Fäden werden u. a. gezeigt: Friedrich Schillers Plan zu, Drama Das Schiff, ein Kalender von Gottfried Benn, die Nachzeichnung des Dürerschen Zahlenquadrats von Aby Warburg, Grundrisse zu einem Schachspiel von Marcel Duchamp, ein selbstgebauter Synthesizer von Friedrich Kittler, eine Postkarte von Else Lasker-Schüler an Franz Marc, eine Zeile Stockhausens an Wolfgang Rihm, die einzige erhaltene musikalische Notation von Ludwig Wittgenstein, 13 geschlossene Tagebücher von Peter Sloterdijk, Martin Walsers Ausgabe von Kafkas Erzählungen, Schuhe von Brigitte Kronauer; außerdem elf Exemplare von Martin Heidegger Sein und Zeit, annotiert von Schriftstellern und Philosophen. Das Schicksal besitzt viele Gesichter und dennoch kann es in derselben Gestalt wiederkehren.

»Das Schicksal ist beides, die Serie der Prüfungen und das Endspiel.« So formuliert es Peter Sloterdijk im Marbacher Magazin zur Ausstellung, das neben einem Gespräch zwischen ihm und Ulrich Raulff Texte von Bazon Brock, Arno Geiger, Brigitte Kronauer, Botho Strauss, Martin Walser, Werner Spies, Ulrich Moritz und Hanns Zischler enthält.