Wechselausstellungen

Ausstellungsreihe: Suhrkamp-Insel

Suhrkamp-Insel 2010 bis 2014. Die Erwerbung der Verlagsarchive von Insel und Suhrkamp gehört zu den spektakulärsten Ereignissen in der Geschichte des Deutschen Literaturarchivs. Sie zieht - zeitlich, nicht räumlich gemessen - die größte Ausstellung nach sich, die Marbach je gezeigt hat. Vier Jahre lang, mit drei Wechseln im Jahr, wird auf einem großen Auspacktisch im Literaturmuseum der Moderne gezeigt und mit prominenten Gästen diskutiert, welche Dimensionen sich dahinter verbergen.

AKTUELL

Suhrkamp-Insel 10
Der Tag, an dem Siegfried Unseld Verleger wurde

26. Juli bis 24. November
Als Peter Suhrkamp am 31. März 1959 starb, wurde Siegfried Unseld sein Nachfolger als alleiniger Leiter des Suhrkamp Verlags. Was dachte, schrieb und tat er an diesem Tag und im Monat danach? Und welche Folgen hat dieses Datum im Archiv? Ist es noch Jahre später symbolisch wichtig oder nur ein Tag wie jeder andere? Die zehnte Suhrkamp-Insel wird zusammen mit 20 Doktorandinnen und Doktoranden der 6. Internationalen Marbacher Sommerschule (Thema: »Literatur – Markt – Macht«) erarbeitet und am 26. Juli um 14.30 Uhr zusammen mit ihnen eröffnet.


BISHERIGE AUSSTELLUNGEN

Doktor Faustus kommt nach Deutschland.
15. März bis 14. Juli 2013
Drei Jahre lang, von 1947 bis 1950, schreiben sich Thomas Mann und Peter Suhrkamp zahlreiche Briefe. Nachdem Suhrkamp im Oktober 1945 als erster Verleger in Berlin eine Verlagslizenz von der britischen Militärregierung erhalten hat, kommen auch die Bücher von Thomas Mann wieder auf den deutschen Markt: 1946 erscheint im »Suhrkamp Verlag vorm. S. Fischer« der Roman Lotte in Weimar, 1948 ein Band mit Erzählungen, 1948 der Doktor Faustus – Manns großer, zwischen 1943 und 1947 im amerikanischen Exil entstandener Deutschland-Roman – und 1949 der vierte Band der Joseph-Tetralogie. Der briefliche Austausch zwischen Autor und Verleger gibt Einblick in Manns persönlichen Umgang mit dem Land, das er 1933 verlassen musste. Ausstellungstexte

Haschisch und Kabbala. Gershom Scholem, Siegfried Unseld und das Werk von Walter Benjamin. 13. Dezember 2012 bis 4. März 2013
Kurz nachdem Unseld 1959 Verlagsleiter wurde, begann eine Werbung über Kreuz: Siegfried Unseld (1924–2002) bemühte sich um die Veröffentlichung der Werke von Gershom Scholem (1897–1982), Scholem um eine Gesamtausgabe seines Freundes Walter Benjamin (1892–1940). Zusammen gelang es Scholem und Unseld nicht nur, dem Suhrkamp Verlag bis heute eine Vorreiterstellung im Bereich jüdischer Philosophie und Literatur zu verschaffen. Sie sind auch maßgeblich für den anhaltenden Erfolg des jüdischen Intellektuellen verantwortlich, der auf der Flucht vor den Nationalsozialisten Selbstmord begangen hatte. Diese doppelte Erfolgsgeschichte spielt sich im Hintergrund ihrer im Verlagsarchiv erhaltenen, hier erstmals vorgestellten Korrespondenz ab. Zur Ausstellung ist ein Marbacher Magazin erschienen

»Danke schön. Nichts zu danken.« Ror Wolf und die Jahre mit Unseld
. 13. September bis 2. Dezember 2012
Fortsetzung des Berichts heißt Ror Wolfs erster Roman. 1964 bringt er ihn im Suhrkamp Verlag heraus. Das Buch wird kein großer Verkaufserfolg, aber es erregt Aufsehen. Vor allem junge Schriftstellerkollegen wie Peter Handke und Brigitte Kronauer sind fasziniert. Wolfs Erzählweise wird an Samuel Beckett gemessen. Als Collage-Künstler, als »Tranchirer«, der er von Anfang an auch ist, vergleicht man ihn mit Max Ernst. Helmut Heißenbüttel entdeckt in Wolfs Roman eine völlig autonome Traumlandschaft – sie lasse an Kafka denken, obwohl »ein entscheidend unkafkaeskes Element ausschlaggebend« sei: »Die Darstellung Wolfs ist vokabulär in einem Sinne, der weit über alle möglichen Vorbilder hinausgeht. Die Reproduktion der Vorgänge, Situationen und Landschaften geschieht nicht linear in der Abfolge eines Berichts, sondern ballt sich immer wieder um Wortgruppen, Satzkonvolute, Dialogverknäuelungen zusammen.«
Diese Schreibweise entwickelt Wolf, der in diesem Jahr achtzig geworden ist, mit bewundernswerter Konsequenz fort. Ob er Prosa oder Gedichte schreibt, ob er Bildelemente collagiert, sich Nachschlagewerken widmet oder König Fußball – immer besticht sein Werk durch ungewohnte Zusammenballungen. Dass eine solche Literatur nicht nur auf Zustimmung stößt, liegt in ihrer Natur. So sind auch die beiden Jahrzehnte, die Wolf mit dem Suhrkamp Verlag verbringt, nicht ohne Spannungen. Ausstellungstexte

1912. Ein Jahr auf der Insel. 4. März bis 26. August 2012
Rainer Maria Rilkes Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke ist die Nummer eins der im Jahr 1912 gegründeten Insel-Bücherei. Die Ausstellung zeigt vom Jahr seines Erscheinens das Jahrhundert seiner Erfolgsgeschichte. Die Insel-Bücherei mit ihren preisgünstigen und bibliophil ausgestatteten Bänden wurde auf dem Buchmarkt zu einem Ereignis. Der meistverkaufte Titel war von Anfang an der Cornet. Das Spektrum der Reihe trug deutlich die Handschrift des Insel-Verlags: Neben zeitgenössischen Autoren wie Rilke und Hofmannsthal dominierten Klassiker des In- und Auslands, historische und politische Schriften sowie Texte des Altertums. Cornet-Exemplare aus der Produktionsbibliothek des Insel-Verlagsarchivs zeigen den in sechs politischen Systemen – vom Kaiserreich bis zum wiedervereinigten Deutschland – ungebrochenen Erfolg der Insel-Bücherei. Zur Ausstellung erschien das Marbacher Magazin 137/138: 1912. Ein Jahr im Archiv.

Ingeborg Bachmanns ›Malina‹. 27. Oktober 2011 bis 19. Februar 2012
»Ich liebe Dich und ich will Dich nicht lieben«, schrieb Ingeborg Bachmann an Paul Celan. In Malina heißt es: »(abbandonandosi, sotto voce) Lieb mich, nein, mehr als das, lieb mich mehr, lieb du mich ganz, damit es bald zu Ende ist.« Bachmanns einziger Roman war 1971 ein Wagnis. Martin Walser, der das Manuskript für den Suhrkamp-Verlag lektorierte, schrieb für den Klappentext: »Das ist wohl die kühnste ›Dreiecksgeschichte‹, die man sich denken kann«. Einige der Dokumente, Textstufen und Briefe aus der Entstehungsgeschichte werden erstmals ausgestellt. Ausstellungstexte

Stefan Zweigs Weltbibliothek
. 29. Juni bis 16. Oktober 2011
Der Kosmopolit Stefan Zweig und der national gesinnte Liebhaber klassischer Literatur Anton Kippenberg treffen aufeinander. Ihr umfangreicher Autor/Verleger-Briefwechsel ist im Zeitraum von 1918 bis 1923 vor allem von einem Großprojekt bestimmt: der Buchreihe ›Bibliotheca mundi‹. Werke der Weltliteratur in Originalsprachen sollten sich in einer ›Weltbibliothek‹ unter dem Dach des Insel Verlags vereinen. Doch obwohl die ersten Bände, die Ende 1920 auf den Markt kamen, auch international lobend aufgenommen wurden, kam sehr bald die Ernüchterung. 1923 wurde das ambitionierte Projekt eingestellt. Zur Eröffnung sprach der Verleger Michael Krüger über Reihen- und Kanonpolitik. Ausstellungstexte

Max Frisch: Das Tagebuch.
24. Februar bis 26. Juni 2011
In Auseinandersetzung mit Peter Suhrkamp entwirft Max Frisch sich als Autor neu. Dabei entsteht das Tagebuch 1946-1949, das sich im Nachhinein als die Keimzelle seiner erfolgreichsten Texte und Hauptwerk der Suhrkamp-Ära herausstellte. Nun sind erstmals die Zeugnisse dieser Zusammenarbeit ausgestellt. An andere Gemeinschaftsprojekte, wie die Verfilmung von Homo Faber und einen geschenkten Jaguar, erinnerte sich der Regisseur Volker Schlöndorff bei der Ausstellungseröffnung. Zur Ausstellung erschien das Marbacher Magazin 133.

Becketts Botschaften.
14. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011
Als 1953 bei Suhrkamp Warten auf Godot erschien, war Beckett noch unbekannt. Die darauf folgende beispiellose Erfolgsgeschichte, die das Theater und die Literatur veränderte, wurde von über 100 Postkarten begleitet, die Beckett an Siegfried Unseld schrieb. Erstmals wird nun daraus eine Auswahl gezeigt. Zur Eröffnung sprachen Wilhelm Genazino und Michael Lentz über Becketts anhaltende Faszination. Ausstellungstexte

Cortázar, Onetti, Paz. Suhrkamps großer Süden.
11. Juni bis 3. Oktober 2010
Die Ausstellungsreihe nimmt ihren Anfang in den Weiten der Weltliteratur. Suhrkamp hat maßgeblich unsere Vorstellung von südamerikanischer Literatur geprägt. Mit Julio Cortázar, Juan Carlos Onetti und dem mexikanischen Nobelpreisträger Octavio Paz präsentierte der Verlag seit den siebziger Jahren gleich drei Jahrhundertautoren, die auch in der deutschen Gegenwartsliteratur deutlich erkennbare Spuren hinterlassen haben. Zum Auftakt sprachen Ulla Unseld-Berkéwicz und Ulrich Raulff. Jan Bürger und Heike Gfrereis diskutierten mit Durs Grünbein über die poetische Aktualität der lateinamerikanischen Literatur, insbesondere über diejenige von Juan Carlos Onetti. Aussstellungstexte