Archiv
Bestände
Helen und Kurt Wolff-Archiv
Seit seiner Gründung 1955 gehört das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) zu den wichtigsten Sammelstätten für Exilliteratur. Der Anspruch, Zeugnisse verbrannter und verfemter deutscher Literatur zu sammeln und ein »Haus der Literatur des Exils« zu sein, leitete die Gründer des DLA und prägt bis heute die Erwerbungs-, Ausstellungs- und Veranstaltungspolitik des Hauses.
Zu den Nachlässen und Teilnachlässen von Exilschriftstellern zählen die von Alfred Döblin, Hilde Domin, Yvan Goll, Hermann Hesse, Mascha Kaléko, Siegfried Kracauer, Heinrich Mann, Konrad Merz, Joseph Roth, Nelly Sachs, Else Lasker-Schüler, Carl und Thea Sternheim, Kurt Tucholsky, Kurt Wolff, Karl Wolfskehl, Carl Zuckmayer und Stefan Zweig. Zusammen mit mehreren Hundert weiteren Exilbeständen bilden sie von nun an das »Helen und Kurt Wolff-Archiv« des DLA.
Unter diesem Namen soll nicht nur ein noch stärkerer Akzent auf die Erweiterung und Erschließung der Exilsammlung gelegt werden; auch im Veranstaltungsprogramm des DLA soll das Thema Exil in Zukunft noch präsenter und die Zusammenarbeit mit Universitäten und anderen Exilsammelstellen noch weiter ausgebaut werden.
Mit der Benennung ehrt das DLA das Verlegerehepaar Helen und Kurt Wolff. Marbach sei der Ort gewesen, an »dem Kurt Wolff in einem internationalen Sinn beheimatet war«, schrieb Helen Wolff am 29. Oktober 1963 an den damaligen Direktor des DLA, Bernhard Zeller. Eine Woche zuvor war der berühmte Verleger unter großer Anteilnahme seitens der deutschen Literatur- und Verlagsszene auf dem Marbacher Friedhof beigesetzt worden.
Wolff, der zu Lebzeiten nie in Marbach war, nahm großen Anteil an der Entstehung des Literaturarchivs und insbesondere der legendären Expressionismus-Ausstellung von 1960. Nach der Vertreibung durch die Nationalsozialisten nie dauerhaft nach Deutschland zurückgekehrt, beobachtete das Ehepaar Wolff die Entwicklungen in Marbach aus der Ferne. Im italienischen, später im amerikanischen Exil und ab 1960 in der Schweiz blieben die Wolffs der deutschen Literatur aufs Engste verbunden und – selbst unter schwierigsten Bedingungen – dem Anspruch, schöne Bücher zu verlegen, treu.
Das Helen und Kurt Wolff-Archiv bietet einen eigenen Index der Exilbestände an. Im allgemeinen Index sind diese Bestände enthalten.
