Direktion
Forschung/AEGG
Deutsch-jüdische Nachlässe in Israel
Spuren deutsch-jüdischer Geschichte. Bewahrung und Erforschung deutsch-jüdischer Nachlässe
In Kooperation mit dem Franz Rosenzweig Minerva Research Center der Hebrew University of Jerusalem und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Nachlässe und Sammlungen deutsch-jüdischer Autoren, Wissenschaftler und Intellektueller konnten nach 1933 von Privatpersonen bei ihrer Emigration oder Flucht aus Europa nach Israel gerettet werden. Ein signifikanter Teil dieser Bestände ist trotz der engagierten Bemühungen der öffentlichen Archive in Israel noch unerschlossen und bislang unerforscht. Wichtige Nachlässe befinden sich in Privatbesitz. Nur wenige große israelische Institutionen verfügen über die personellen und finanziellen Mittel sowie nicht zuletzt Sprachkenntnisse, diese größtenteils deutschsprachigen Bestände für die internationale Forschung zur deutsch-jüdischen Geschichte und Literatur zugänglich zu machen. Einige Bestände sind aufgrund nicht nachhaltiger Aufbewahrungssituationen gefährdet und nur durch eine gemeinsame Anstrengung deutscher und israelischer Forschungseinrichtungen zu bewahren.
Das DLA strebt ausgehend von seinen umfangreichen Archivbeständen zur Exilliteratur eine enge Abstimmung mit israelischen Institutionen in der Bewahrung von Quellen zur deutsch-jüdischen Geschichte an. Das im Oktober 2012 gemeinsam mit dem Franz Rosenzweig Minerva Forschungszentrum für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte realisierte Kooperationsprojekt »Spuren deutsch-jüdischer Geschichte« ermöglicht dank der zentralen Position des Forschungszentrums innerhalb der Jewish Studies in Israel und der internationalen Vernetzung beider Institutionen die Entwicklung eines auf die sensible Kommunikation israelischer und deutscher Archive abgestimmten Programms zur Konservierung, digital vernetzten Zugänglichkeit und wissenschaftlichen Nutzung signifikanter historischer Quellen in Israel. Das DLA bringt als Projektträger seine Erfahrung im Bereich der Entwicklung von Erschließungs- und Konservierungsmaßnahmen und ihrer Standardisierung in das Projekt ein. Sitz der koordinierenden Arbeitsstelle in Jerusalem ist das Franz Rosenzweig Minerva Research Center, das beteiligten Gastwissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlern ein systematisches Seminarprogramm zur wissenschaftlichen Auswertung der erschlossenen Quellen und zur Diskussion der aus ihnen entwickelten Forschungsprojekte bietet.
Die zentrale Aufgabe der koordinierenden Arbeitsstelle betrifft die Realisierung von Erschließungsprojekten in bestandshaltenden israelischen Institutionen. Seit Beginn des Projekts im Oktober 2012 wurden in Zusammenarbeit mit israelischen Archiven und Bibliotheken wie den Central Zionist Archives, dem Leo Baeck Institut Jerusalem, der National Library of Israel und dem Israeli Center for the Documentation of the Performing Arts der Universität Tel Aviv projektorientiert konkrete Erschließungs- und Konservierungsmaßnahmen unter Einbezug qualifizierter Nachwuchswissenschaftler konzipiert und realisiert. Durch gezielte Beratung von Privatpersonen können relevante, noch nicht archivierte und nicht zugängliche Nachlässe und Sammlungen an ein geeignetes israelisches Archiv vermittelt werden. Zudem stellt die koordinierende Arbeitsstelle israelischen Archiven mit einfachen Mitteln eine Struktur zur Verfügung, sich im Hinblick auf den Umgang mit deutschsprachigen Beständen untereinander und mit Institutionen im Ausland abzustimmen. Dr. Stefan Litt (The National Library of Israel), Prof. Guy Miron (Schechter Institute Jerusalem), Dr. Yaacov Lozowick (Israel State Archives) und Dr. Anja Siegemund (Leo Baeck Institut Jerusalem) konnten als wissenschaftlicher Beirat für das Projekt gewonnen werden.
Das Projekt gewährleistet durch seine Verbindung von Bestandserschließung und -erforschung eine langfristige Ergebnissicherung. Nachlässe und Sammlungen werden so nicht nur als gefährdetes »kulturelles Erbe« erhalten, sondern auch als Grundlage neuer Fragestellungen in den Kultur- und Forschungsdialog eingebracht. Ziel des von Jürgen Fohrmann (Universität Bonn), Marcel Lepper (DLA Marbach) und Yfaat Weiss (Franz Rosenzweig Minerva Forschungszentrum, Jerusalem) konzipierten Projekts ist, den Dialog zwischen Archiven in Deutschland und Israel zu intensivieren, gemeinsam eine breite Materialbasis für die historische, ideengeschichtliche und literaturwissenschaftliche Forschung zur deutsch-jüdischen Geschichte und zur Shoah zu sichern und dadurch neue, bestandsbezogene Forschungsprojekte zu unterstützen.
Das Projekt wird in der Pilotphase durch das Auswärtige Amt gefördert.
Ansprechpartnerin:
Caroline Jessen (Koordinatorin der Forschungskooperation zur Bewahrung und Erschließung deutsch-jüdischer Nachlässe in Israel)
