Entwicklung

Bestandserhaltung

Massenentsäuerung

Im Zuge der Industrialisierung ließen sich besonders Papiere, aber auch Einbandmaterialien wie Leder und Gewebe schneller und billiger herstellen. Allerdings haben sie dadurch stark an Qualität verloren.

Große Sorgen bereiten dabei vor allem die Bücher, die nach etwa 1850 auf industriell gefertigten Papieren gedruckt wurden - und damit etwa 80 Prozent des Marbacher Bibliotheksbestandes. Aber auch Autographen, die Kernsammlung unseres Hauses, sind gefährdet. Sie zerfallen aufgrund zweier technischer Entwicklungen des 19. Jahrhunderts relativ rasch:

  • Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde Papier noch Blatt für Blatt aus einer Bütte geschöpft, die eine Mischung aus Gewebefasern und Wasser enthielt, und anschließend, um es beschreib- oder bedruckbar zu machen, an der Oberfläche geleimt. Durch den Zusatz von Aluminiumsulfat gelang es Moritz Illich 1806 beide Arbeitsgänge auf einen zu reduzieren. Fachleute wiesen schon damals auf die Gefahr hin, dass Aluminiumsulfat allmählich Schwefelsäure freisetzt und dadurch mit der Zeit die Zelluloseketten des Papiers zerstört werden. Aber sie warnten vergebens.
  • Etwa vierzig Jahre später entdeckte Gottlob Keller Holz als Rohstoff für die Papierherstellung. In holzhaltigen Papieren ist jedoch die zersetzende Wirkung von Schwefelsäure gegenüber Hadernpapier enorm beschleunigt.


Bisherige Maßnahmen

Sämtliche Bestände werden in klimatisierten Magazinen bei einer konstanten Temperatur von 18° Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent verwahrt.

Am 27. und 28. November 1997 wurde im Deutschen Literaturarchiv eine Konferenz zum Thema "Massenentsäuerung bei modernen Autographen und Nachlässen" durchgeführt, die dem Erfahrungs- und Informationsaustausch diente. Teilgenommen haben neben Mitarbeitern aus Archiven und Bibliotheken mit Handschriftenbeständen auch Vertreter von Firmen, die Massenentsäuerungsverfahren anbieten.

Die Bestände werden durch Verfilmung gesichert. Dazu gehören:

  • das Cotta-Verlagsarchiv (Stiftung Stuttgarter Zeitung), das in seinen wesentlichen Teilen in Zusammenarbeit mit der Landesarchivdirektion in Ludwigsburg verfilmt wurde (u.a. sämtliche Geschäftsbücher, sämtliche Cotta-Briefe);
  • das zum Cotta-Archiv gehörende Redaktionsexemplar des "Morgenblatts für gebildete Stände/gebildete Leser" (1807-1865); die Verfilmung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Verlag K.G. Saur in München;
  • eine Reihe von literarischen Zeitschriften, zum Teil in Kooperation mit dem Verlag Harald Fischer in Erlangen;
  • Nachlässe, die mit einer hauseigenen Kamera und in der Landesarchivdirektion in Ludwigsburg sicherheitsverfilmt werden.

Mit der Entsäuerung der Marbacher Bibliothek wurde begonnen. Das Deutsche Literaturarchiv favorisiert das vom Frankfurter Battelle-Institut mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums entwickelte Verfahren (PAPERSAVE). Dabei werden große Mengen von Büchern oder Akten zu Chargen gebündelt und in einer Unterdruckkammer mit einem Lösungsmittel getränkt. Dieses dient als Transportmittel für Magnesium- und Titanalkoholate, die sich in das Papier einlagern und die Säure binden. Das Lösungsmittel wird anschließend abgepumpt, die Papiere getrocknet. Erreicht wird ein pH-Wert, der deutlich über 7, also im basischen Bereich liegt.

Auch mit der Entsäuerung der Handschriften wurde begonnen. Für lose Materialien eignet sich nach unseren Erfahrungen das Bückeburger Conservation Procedure von Neschen am besten. Das von der Firma Neschen entwickelte und im Laufe der Jahre verbesserte Verfahren, das nun in unmittelbarer Nähe des Archivs, in Kooperation mit der Firma Schempp angeboten wird, bietet neben der Neutralisation der Säure auch eine Verfestigung.

Neben diesen Maßnahmen werden im Deutschen Literaturarchiv fortlaufend Schäden, die während der Ordnung und Katalogisierung oder bei der Benutzung auffallen, in der Werkstatt für Papierrestaurierung soweit wie möglich behoben.

Des weiteren beschäftigt das Deutsche Literaturarchiv eine Buchpflegerin (40%), die u.a. Archivalien reinigt, die verschmutzt ins Haus gelangen. Sie entfernt auch Metallklammern, die Rostschäden verursachen können, oder Plastikfolien, die Papiere und Tinten angreifen, und ersetzt sie durch säurefreie Bauchbinden.