Entwicklung
Projekte
Vernetzte Korrespondenzen (NELi)
Verbundprojekt des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften Trier, des Deutschen Literaturarchivs Marbach und des Instituts für Informatik der Martin Luther Universität Halle im Rahmen des Programms eHumanities des BMBF.
Kurzbeschreibung des Verbundprojektes
[Aus der Vorhabenbeschreibung des Verbundprojektes]
Social Media sind Erscheinungen des 21. Jahrhunderts. Soziale Netzwerke aber wurden schon in früheren Zeiten, den Zeiten vor Facebook und Twitter durch Briefwechsel gewoben. Zwar stehen zwischenzeitlich zahlreiche dieser Briefwechsel digital zur Verfügung, doch sind diese Editionen zumeist unter dem Gesichtspunkt der Ressourcenbereitstellung entstanden und tragen den dem Medium Brief eigenen vernetzenden Funktionen allenfalls in Ansätzen Rechnung. Wie in gedruckten Publikationen wird auch in digitalen Veröffentlichungen in der Regel der Briefwechsel zweier Personen zur Verfügung gestellt. Ganze Korrespondenznetze aber, ihre soziale Zusammensetzung, ihre räumliche Ausdehnung, ihre zeitliche Entwicklung und die in diesen Netzen stattfindenden Austauschprozesse werden nicht in den Blick genommen. Dieser Forschungslücke nimmt sich das durch das Kompentenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universität Trier koordinierte Verbundprojekt an. Ausgehend von der These, dass Social Networking ein altbekanntes Phänomen ist, untersucht das Vorhaben den Brief als in vielerlei Hinsicht netzwerkbildendes Medium. Aufbauend auf der Materialbasis ausgewählter Korrespondenznetze deutschsprachiger Schriftsteller, die durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten ins Exil gezwungen wurden, wird eine modulare interaktive internetbasierte Plattform zur Erschließung, Erforschung und Visualisierung von sozialen, räumlichen, zeitlichen und thematischen Netzen in Briefkorpora konzipiert und realisiert. Durch die Anwendung und Weiterentwicklung innovativer Methoden und Verfahren der semantischen Netzwerkanalyse und -visualisierung, die an Briefkorpora angepasst und entsprechend spezialisiert werden, sollen Forschungsfragestellungen angegangen werden, die weit über die Betrachtung einzelner Briefwechsel hinausgehen. Damit leistet das Vorhaben einen Beitrag zur Entwicklung von informationstechnologischen Methoden und Werkzeugen, die speziell auf geisteswissenschaftliche Arbeitsweisen und Fragestellungen ausgerichtet sind und eröffnet nicht nur der Brief- und Kommunikationsforschung neue Forschungsmöglichkeiten. Vielmehr schließt das Vorhaben zugleich eine Lücke im Bereich der Exilforschung, da eine Untersuchung zur Funktion von Briefnetzen exilierter Schriftsteller der NS-Zeit bislang noch aussteht.
Ziel des Gesamtverbundes NELi ist die Konzeption und Realisierung einer generischen modularen interaktiven internetbasierten Plattform zur Erschließung, Erforschung und Visualisierung von sozialen, räumlichen, zeitlichen und thematischen Netzen in Briefkorpora.
Die in den genannten Bereichen angestrebten Ziele und entwickelten Methoden sollen interdisziplinäre Forschungsansätze in den informatiknahen Fächern und den beteiligten geisteswissenschaftlichen Disziplinen vorantreiben und so die Weiterentwicklung der Digital Humanities fördern. Die geplante Internetplattform soll als DARIAH Demonstrator erprobt und entwickelt werden. Das Konzept ist generisch angelegt und soll durch die Einbindung in das DARIAH-Framework langfristig nationalen und internationalen Forschergruppen offen stehen.
Siehe auch die Projektseiten unserer Kooperationspartner
- Projektseite am Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universität Trier
- Projektseite Universität Halle
Kurzbeschreibung des Marbacher Teilprojektes
Ziel des Teilprojektes ist die Anreicherung des Briefkorpus mit neuen Archivalien, deren editorische Erschließung und Herstellen von Fallstudien zur neuen Nutzung des Exilbriefnetzes.
Projektleiter
- Dr. Thomas Burch, Dr. Vera Hildenbrandt, Prof. Dr. Claudine Moulin, Trier
- Prof. Dr. Paul Molitor, Dr. Jörg Ritter, Halle
- Dr. Roland S. Kamzelak, Marbach
Projektmitarbeiter
- Angelika Kreh
- Dr. Anne Lorenz
Projektlaufzeit
1. Februar 2013 bis 31. Januar 2016
