20. November 2008 bis 1. Februar 2009

 

Die Entdeckungen der modernen Physik, die Entwicklung und der Abwurf der Atombomben über Japan, die Atomwaffenversuche, die Hochrüstung mit Nuklearwaffen in Zeiten des Kalten Krieges – all das war Zündstoff und lieferte schon im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts neue literarische Energie.

Die Ausstellung zeigt die Spuren, welche die Ideenhülsen ›Radioaktivität‹ und ›Atom‹ im Archiv hinterlassen haben (Manuskripte von Gedichten, Erzählungen, Theaterstücken und Essays, viele davon zum ersten Mal, Bücher mit der Ästhetik des frühen Atomzeitalters, Briefe und Schriftensammlungen der verschiedenen Widerstandsbewegungen) und folgt den Bahnen ihres Niederschlags. Die Verhältnisse zwischen naturwissenschaftlicher Erfindung und Literatur, historischem Ereignis und Brief, Wirklichkeit, Wort und Bedeutung gehorchen der Chronologie so wenig wie der Logik der Systeme. Sie sind zeitlich verschoben, scheinen historisch paradox. So ist der Tag X, das durch das Werk des Menschen herbeigeführte Ende der Menschheit, in der Literatur, im Science Fiction, aber auch bei Gottfried Benn und Ivan Goll bereits da, bevor die Atombombe in der Welt ist.

Auf das »Debüt des atomaren Zeitalters in Japan« (Brecht) reagieren Schriftsteller wie Nelly Sachs, Arno Schmidt, Hans Henny Jahnn, Marie Luise Kaschnitz, Günter Eich, Heinar Kipphardt, Ernst Jünger und Friedrich Dürrenmatt, Philosophen wie Martin Heidegger, Karl Jaspers, Hans Blumenberg und Karl Löwith jedoch mit einer Zeitverzögerung, die, abhängig von ihren jeweiligen spezifischen Diskurssystemen – der Literatur, der Philosophie und Briefkultur –, unterschiedliche Gründe hat.

 

Kurator: Helga Raulff und Tanja Stumpff.

Gestaltung: space4 (Architektur), Diethard Keppler und Stefan Schmid (Grafik).

 

Stimmen und Bilder

 

Die Ausstellung wird von einem Marbacher Magazin (MM 123/124, mit einem Text von Helga Raulff) begleitet.